Wenn es dir möglich ist, mit nur einem kleinen Funken die Liebe in der Welt zu bereichern, dann hast du nicht umsonst gelebt.

Bei einem Themenabend „Pilgern“, haben wir vier Familienkreisfrauen beschlossen, uns selbst mal auf den Weg zu machen und unsere eigenen Pilgererfahrungen zu sammeln. Der Pfälzer Jakobsweg von Speyer nach Hornbach sollte es erst mal sein. Letztendlich haben wir es bis nach Taizé geschafft und vielleicht werden wir auch irgendwann unseren Pilgerweg nach Santiago de Compostella fortsetzen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen 3 Mitwanderinnen und Freundinnen für die schöne Zeit und die vielen positiven Erfahrungen auf der Pilgerreise bedanken. Auch habe ich mich über die vielen netten Zuschriften und Feedbacks sehr gefreut, die ich in den letzten Jahren bekommen habe. Es hat mir immer viel Freude bereitet, Tipps zu geben und Erfahrungen auszutauschen.Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern, die den gleichen Weg gehen wollen ein herzliches "Bon camino".


04. August 2012 Heimreise

Am nächsten Morgen lassen wir uns das Frühstück in Taizé entgehen und verlassen die „Communauté“ schon recht früh. Unser Zug fährt kurz nach 14:00 Uhr in Mâcon ab. Bis dahin müssen wir ca. 35km mit den Fahrrädern zurücklegen. Da darf unterwegs nicht viel passieren. Nach ca. 10km erreichen wir die mittlelalterliche Metropole Cluny. Die Zeit reicht zwar nicht um das Städtchen mit seiner berühmten Kathedrale zu besichtigen, aber ein kleines Frühstück bei einer Boulangerie muss schon sein. Also legen wir hier eine kleine Pause ein.





Nachdem wir das Erwachen des Städtchens am Samstag Morgen live erleben durften, geht es wieder Richtung Radweg. Wir befinden uns immer noch auf der „Voie verte“. Allerdings ist der Radweg hier wesentlich hügeliger als wir es bis Taizé kannten. Wir fahren vorbei an romantischen Châteaux und kleinen Schlösschen, bergauf und bergab mit kaum ebenen Strecken. Ein besonderes Highlight hat der Radweg noch zu bieten, nämlich den längsten Fahrradtunnel Europas mit 1,6 km Länge. Es ist ein ehemaliger Eisenbahntunnel, der nun als Radweg dient.




Unser Zeitplan geht trotz kleiner Verschnaufpausen auf und wir erreichen Mâcon schon kurz nach 12:00 Uhr. Zunächst mal erkunden wir am Bahnhof die Begebenheiten, damit wir schon mal wissen, von welchem Gleis wir abfahren und vor allem auch, wie wir dort hin kommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass an jedem Bahnhof ein Aufzug mit genügend Platz für Fahrräder zur Verfügung steht, so wie es auch hier der Fall ist.

Nun bleiben uns noch ungefähr 2 Stunden Zeit um einen kleinen Eindruck von dem schönen Städchten zu gewinnen und um uns noch mal mit einer Mahlzeit zu stärken. Vor Mâcon's ältestem Gebäude legen wir noch mal eine Pause ein. Es ist sozusagen unser Abschluss hier, und wir können stolz auf ca. 250 gefahrene Kilometer in den letzten 6 Tagen zurückblicken.



Die Zugfahrt nach Langres verläuft nach Plan, von dem lästigen Fahrradschleppen an den Bahnhöfen mal abgesehen. Es gibt aber auch immer wieder Leute, die uns beim Ein- und Aussteigen behilflich sind. In Langres erwartet uns dann unsere letzte Herausforderung, denn der Bahnhof liegt im Tal und unser Auto steht auf dem Berg. Wir erhaschen noch mal einen Blick auf die schöne mittelalterliche Anlage und schwingen uns wieder auf unsere treuen Drahtesel. Irgendwie denke ich, dass es nur eine zwar lange aber nicht so starke Steigung bis nach Geosmes ist. Doch das entpuppt sich als reines Wunschdenken. Ich bin sehr enttäuscht, als es nach jeder Kurve wieder weiter hoch geht und gebe dann auch irgendwann resigniert auf. Franzi und Tine wollen es aber noch mal richtig wissen. Sie strampeln unentwegt den Berg hoch und erwarten mich vor den Toren Langres'. Von nun an sind es nur noch wenige Kilometer zu unserem Startpunkt. Das Auto steht noch unversehrt auf dem Parkplatz. Jetzt heißt es Fahrräder verstauen und die Heimreise antreten. Die Strecke bis nach Karlsruhe zieht sich und so wird es dann doch später Abend, als wir dort ankommen. Der Abschied ist dieses Jahr mit ein wenige Wehmut verbunden, denn es war vorerst unsere letzte gemeinsame Pilgertour.

03. August 2012 ein Tag in Taizé

Zum ersten Mal auf unserer diesjährigen Tour frühstücken wir nicht im Hotel sondern in der nahe gelegenen Boulangerie. Sie haben einen Preis für den besten Brioche bekommen. Tine ist der Meinung, dass man sich den auf keinen Fall entgehen lassen kann und lässt sich einen einpacken. Ein Kaffee und ein süßes Stückchen tut es, denn ab jetzt ist erst mal Bescheidenheit angesagt. So radeln wir gemütlich zu unserem letzten Ziel. Auf dem Weg haben wir gestern schon ein ruhiges Plätzchen an einem Spielplatz entdeckt, wo wir von Franzi noch ein paar einstimmende Worte hören, diesmal natürlich von Frère Roger, dem Gründer der Communtauté von Taizé. 

Als wir auf dem Hügel ankommen, müssen zunächst mal die Formalitäten erledigt werden. Ein netter junger Mann aus Portugal ist am Empfang. Er spricht recht gut englisch und weist uns ein deutsches Mädchen zu, die uns erklärt, wie hier die Regeln sind. Einen Zimmerschlüssel gibt es nicht, aber sie möchte jemand zu unserem Haus schicken, der uns öffnet. So machen wir uns auf den Weg zu unserem letzten Domizil. Da ich schon mal hier war, überrascht mich die Einfachheit nicht allzu sehr. Doch meinen Mitpilgerinnen wird spätestens jetzt endgültig klar, dass es nun vorbei ist mit jeglichem Comfort. Wir belegen unsere Feldbetten mit unseren Schlafsäcken. Bisher gehört das Haus mit 6 Betten alleine uns, aber das kann sich im Laufe des Tages noch ändern. Wir erkunden kurz noch Duschen und Toiletten, welche auch nicht gerade unseren normalen Ansprüchen genügen und machen uns dann auf den Weg zum Mittagsgebet, denn dazu sind wir schließlich hier. 

Die Kirche ist am Mittag nicht ganz so voll, wie am Abend vorher. Dennoch sind es wieder über tausend Jugendliche und Erwachsene, die dem Gebet und Gesang der Mönche lauschen. Für mich ist es immer wieder faszinierend, welcher Friede hier zwischen verschiedenen Völkern und zwischen den christlichen Religionen herrscht. Könnte das nicht überall so sein???


Nach dem Mittagsgebet gibt es Mittagessen. Heute ist Freitag. Es gibt also Vegetarisches, nämlich Linseneintopf. Dazu Wasser aus einem großen Fass und zum Nachtisch einen Keks und einen Pfirsich. Das Ganze wird auf und in Plastik serviert, gegessen wird auf Holzbänken.


Die Situation erinnert irgendwie an Bilder von Flüchtlingslagern im Fernsehen. Dennoch scheint es die Leute hier nicht zu stören, die sicher alle ein komfortableres Leben gewohnt sind. Auch treffen wir hier auf eine Jakobspilgerin, die den Weg weiter in Richtung Santiago di Compostella fortsetzen will, zu Fuß und ganz alleine.

Nun beginnt unser Nachmittagsprogramm mit dem Einsingen in der Kirche. Hier stimmen 2 erfahrene Gesangspädagoginnen auf die Gesänge des Abends ein. Wir singen eine Weile mit , entschließen uns dann doch noch dafür, das Gelände zu erkunden. Zuerst besuchen wir den kleinen Laden, in dem die Töpferware der Mönche, Bücher, CD's und viele kleine Erinnerungen an die Communauté verkauft werden. Während Franzi noch in den vielen interessanten Büchern stöbert, besuchen Tine und ich den kleinen Friedhof mit dem Grab Frère Rogers und die uralte kleine Kirche des Ortes Taizé, sowie die Grünanlagen. Hier weisen überall Schilder auf die Ruhezone hin. Es ist erstaunlich, dass sich bei so vielen Besuchern alle daran halten. Auf der hölzernen Brücke lassen wir die Beine und die Seele baumeln und schauen den Karpfen im Teich zu. Es ist so schön hier.



Da wir am späten Nachmittag an einem Workshop teilnehmen möchten, verlassen wir den ruhigen Fleck wieder. Tine und ich haben uns für einen Workshop entschieden, bei dem es um die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria in Afrika geht. Er wird geleitet von dem deutschen Arzt und Theologen Christof Benn vom Global Fund, allerdings in englischer Sprache. Es ist sehr interessant was er zu berichten hat. Vor allem aber sind wir fasziniert, wie sich die Jugendlichen aus vielen unterschiedlichen Ländern hier einbringen können und ohne Probleme in englischer Sprache mitdiskutieren. Franzi hat währenddessen in 3 verschiedene Workshops reingeschnuppert, die sich mehr mit theologischen Themen beschäftigt haben.

Nach diesem ausgefüllten Nachmittag schauen wir noch mal in unser Haus. Es gibt immer noch keine Mitbewohner, so dass wir wahrscheinlich unter uns bleiben können. Dafür treffen wir in unmittelbarer Nachbarschaft auf einen weiteren Pilger. Er zeigt uns stolz seine Jakobsmuschel und eine weitere Trophäe in Form eines riesigen Euros. Es ist das Zeichen dafür, dass er in relativ kurzer Zeit einige europäische Hauptstädte besucht hat. Allzu gerne erzählt er uns seine Erlebnisse. Doch es ist Zeit für das Abendessen und so machen wir uns auf den Weg zur Warteschlange. Heute wird vorm Essen gesungen. Eine Gruppe verabschiedet sich von ein paar Mitbewohnern selbstverständlich mit einem Taizé-Gesang. Da kommt schon mal ein Gänsehautfeeling auf.

Das Abendessen besteht diesmal aus einem Fischstäbchen und etwas Kartoffelbrei. Richtig satt wird man davon nicht und schmecken tut es auch nicht wirklich. War da nicht noch ein preisgekrönter Brioche in Tines Satteltaschen???


So vergeht unser Tag in der Communauté sehr schnell und es ist schon wieder Zeit für das Abendgebet. Also machen wir uns auf den Weg zur Kirche. Heute ist Freitag und somit Kreuzverehrung. Der erste Abschnitt ist bereits belegt und wir müssen etwas weiter hinten Platz auf dem Boden nehmen. Frère Alois begrüßt die Gruppen und Teilnehmer aus den einzelnen Ländern. Es sind wahnsinnig viele Besucher aus allen Kontinenten. Über 2 Stunden verbringen wir im Gottesdienst und bei den anschließenden Gesängen. Die Schlange zum Kreuz ist unendlich lang und scheint nicht enden zu wollen. Es ist in deutschen Gottesdiensten undenkbar, dass sich so viele Jugendliche am Karfreitag vor dem Kreuz verneigen.


Tief beeindruckt und nachdenklich kehren wir in unser Haus zurück. Wir sind immer noch unter uns und so machen wir es uns auf den gewöhnungsbedürftigen Betten so gemütlich wie möglich, während die Gedanken immer noch um diesen besonderen Tag kreisen.

21.Teilstrecke am 02. August 2012 Chagny nach Cormatin

Nach dieser schlafarmen Nacht starten wir mit einem gemütlichen Frühstück im Garten des Hotels. Die Gewitterfront ist vorbei und die Sonne strahlt wieder. Wir verabschieden uns von unserem netten Hotelbesitzer und begeben uns zu unseren Fahrrädern, die diesmal im Freien an der Wand einer Scheune übernachten mussten. Deshalb werden sie zuerst mal mit besonderem Augenmerk begutachtet. Meine Luft im Hinterreifen scheint wohl weniger geworden zu sein. Also wird erst mal aufgepumpt, bevor wir in Richtung Givry aufbrechen. Schon beim ersten Anstieg springt mir beim Umschalten die Kette runter. Dabei habe ich mir fest vorgenommen bei diesem leicht ansteigenden Berg nicht abzusteigen. Tja da kann man wohl nichts machen. Ich steige ab und schiebe zunächst mal, denn was Fahrradreparaturen angeht bin ich echt überfordert. Als ich Tine und Franzi erreiche, wird die Kette mit vereinten Kräften wieder aufgezogen. Das wäre geschafft. Trotzdem bleibt mir das Gefühl, dass das heute wohl nicht so mein Tag wird.

Wir radeln gemütlich weiter durch die wunderschönen Weinberge des Burgund und erreichen gegen Mittag das kleine Städtchen Givry. Die schöne Kirche St. Peter und Paul in der Dorfmitte bietet sich für unser Morgen bzw. diesmal Mittagslob an.



Sie wurde im 18. Jahrhundert erbaut und ist mit ihrer interessanten Architektur sehr sehenswert. Wir bleiben dort etwas länger bevor wir uns ein Restaurant zum Mittagessen suchen. Da der Ort wohl gerne von Touristen besucht wird ist dies kein Problem. Die Sonne strahlt mittlerweile wieder in voller Stärke und so sind die Schattenplätze sehr begehrt. Was uns zunehmend Sorgen macht ist allerdings mein Fahrrad, denn die Luft scheint wohl offensichtlich nicht zu halten. Bevor wir weiterfahren, wird noch mal aufgepumpt. Dabei beschließen wir, unterwegs nach einem Fahrradladen Ausschau zu halten.

Unsere Fahrt geht weiter auf der „Voie verte“, der grünen Trasse, einem recht neu angelegten Fahrradweg durch Burgund. Hier lässt es sich recht entspannt fahren, da wir nun den Autoverkehr hinter uns lassen können und der Radweg wirklich gut beschildert und ausgebaut ist.

Als wir an einem „Office de Tourisme“ vorbeikommen, erklärt sich Tine spontan bereit, mal nach dem nächsten Fahrradgeschäft zu fragen, damit sich ein Fachmann mein Rad anschauen kann. Vielleicht muss das Ventil oder der Schlauch gewechselt werden. Sie kommt mit einer schönen Radkarte und der Auskunft zurück, dass wir in ca. 13 km Entfernung eine Fahrradstation finden, bei der auch Räder repariert werden. Na, das hört sich ja mal gut an. Leider schaffen wir nur 3 km, dann zischt es kurz und mein Hinterreifen ist platt. Ich sehe mich schon, die nächsten 10km Fahrrad schiebend bewältigen zu müssen. Hatte mir da nicht ein übereifriger Fahrradverkäufer gesagt, dass ich schon am Glascontainer wohnen müsste, um diese Reifen platt zu kriegen? Wieso habe ich mein Notfallspray nicht mitgenommen? Diese Fragen helfen natürlich nichts. Zum Glück hat Tine, die schon ein Stück weitergefahren war, ein Reparaturspray dabei. Das muss jetzt zum Einsatz kommen. Also wird erst mal die Gebrauchsanleitung gelesen und dann Schritt für Schritt die Anweisungen befolgt. Beim Suchen nach der Ursache ziehe ich einen ca. 6-8mm großen Dorn aus dem Reifen. Das wird wohl der Übeltäter gewesen sein. Jetzt kann gesprüht werden. Es ist eine ziemlich schaumige und klebrige Angelegenheit. Während Tine auf die Tube drückt, sind Franzi und ich dabei den danebengehenden Schaum mit Händen und Tüchern aufzufangen. Es ist wie ein Wunder. Der platte Reifen geht tatsächlich auf und füllt sich wie durch Geisterhand mit Luft und Schaum. Ein vorbeifahrender Radler versichert uns, dass wir nun unbeschwert weiterfahren können. Er selber ist schon einige Kilometer mit einem so geflickten Reifen gefahren. Das klingt sehr beruhigend und ich hoffe, Tine hat alles richtig übersetzt. So fahre ich die nächsten 10 km mit ungutem Gefühl weiter. Doch die Luft scheint zu halten. Trotzdem halten wir an der Fahrradtankstelle an. Der junge Mann dort spricht sogar etwas deutsch. Eigentlich wollte ich sicherheitshalber einen neuen Schlauch eingebaut haben. Man hätte es sich eigentlich denken können, denn die Franzosen haben ein anderes Ventilsystem als wir in Deutschland, und so ist dies nicht möglich. Er versichert mir aber noch mal, dass das Spray den Reifen gut abgedichtet hat und dass ich damit einfach weiterfahren kann. Um auf der sicheren Seite zu sein, kaufe ich ein neues Notfallspray und drücke es Tine in die Hand.

Da wir schon hier sind, wollen wir nun auch das kleine mittelalterliche Städtchen in unmittelbarer Nähe besichtigen. Denn wir liegen trotz Pannen gut in der Zeit und ein Kaffee wäre jetzt auch nicht schlecht. Der Ort ist jedoch sehr verschlafen und ein gemütliches Café ist wieder mal Fehlanzeige. So stärken wir uns mit einem Müsliriegel und was unsere Satteltaschen sonst noch so hergeben, bevor wir weiterfahren.



Wir nähern uns unserem heutigen Ziel Cormatin mit großen Schritten, denn der Radweg ist eben, das Wetter angenehm und so langsam gewinne ich auch wieder Vertrauen in meinen Reifen. Kurz vor 18 Uhr erreichen wir unser Hotel. Wir sind nur ca. 6km von unserem Ziel „Taizé“ entfernt und irgendwie können wir gar nicht glauben, warum wir hier noch mal ein Hotel gebucht haben, zumal es nicht gerade sehr komfortabel ist. Von der Hotelwirtin erfahren wir, dass um 20:30 Uhr das Abendgebet in Taizé stattfindet und so beschließen wir, dass dies ein schöner Tagesabschluss für Jakobspilger wäre. Dafür verzichten wir auf ein gemütliches Abendessen und kaufen in der nahegelegenen Boulangerie einen Snack, in Form von kleinen Quiches.

Frisch gestärkt und erfrischt radeln wir in Richtung Taizé. Ich war vor eingen Jahren schon mal hier und freue mich sehr auf die beruhigenden Gesänge und die Athmosphäre dort. Doch vorher heißt es erst mal den Hügel zu erarbeiten. Während meine beiden Mitradlerinnen den Taizéhügel hochstrampeln, bin ich der Meinung, dass ich heute schon genug gestrampelt bin und dass ich als Pilger den Weg sowieso lieber zu Fuß zurücklege. Außerdem habe ich null Kondition und auch keine Lust mehr mich anzustrengen.



Wir erreichen die Communauté kurz vor Beginn des Gottesdienstes. Auf dem Platz vor der Kirche sind mehrere hundert junge Leute mit den typischen Spielchen beschäftigt und so dürfen wir erst mal über eine Reihe aneinandergereihter Joghurtbecher steigen, die es wohl heute als Nachtisch gab. Die Jugendlichen scheinen alle in bester Laune zu sein. Franzi und Tine sind sichtlich überrascht angesichts solcher Massen an jungen Leuten, über deren Alter wir längst hinaus sind. Ich beruhige sie, dass es auch einen Bereich gibt für die etwas betagteren Besucher und dass es dort sicherlich auch ruhiger zugeht. Das werden wir dann am nächsten Tag sehen.

Wir betreten die gut besuchte Kirche, die heute alle Trennwände eingefahren hat und feiern mit über tausend jungen und jung gebliebenen Leuten das Abendgebet. Die Gesänge haben eine entspannende Wirkung und ich kann mich ganz darauf einlassen. Ich genieße die lange Stille und die tragenden Melodien.

Nach ca. 2 Stunden verlassen wir den nicht enden wollenden Liederreigen und radeln zu unserem Hotel zurück. Die Gesänge hallen noch lange mit und wir freuen uns auf den nächsten Tag.


20.Teilstrecke am 01. August 2012 Vougeot nach Chagny

Nach einer erholsamen Nacht erreicht mich morgens eine SMS meines „Wetterfrosches“ zu Hause. Wir sollen heute zeitig los fahren, denn es sind in unserer Gegend Regenwetter und Sturm angesagt. Ich schaue zum Fenster raus und kann es mir eigentlich nicht vorstellen, denn der Himmel ist blau und es gibt kaum Wolken. Aber ich weiß auch, dass ich mich auf meinen wetterkundigen Mann verlassen kann und ermuntere meine beiden Mitradlerinnen zum baldigen Aufbruch, natürlich nicht ohne zu frühstücken. Der Herr an der Rezeption unseres Hotels spricht englisch und so bin ich mutig und frage nach den Wetteraussichten. Er erklärt mir, dass es heute keinen Regen gibt und dass der Sturm erst für morgen angesagt ist. Nun denn, der Weg ist weit und es ist besser auf Nummer sicher zu gehen und zügig loszufahren. Wir starten also wieder in Richtung Weinberge. An einer gemütlichen Ecke bekommen wir von Franziska ein paar nette Gedanken mit auf die Reise. Ca. 40km sind heute geplant mit einem größeren Zwischenstopp in dem Städtchen Beaune welches wie der Name schon sagt, sehr schön sein soll. Der Weg am Weinberg entlang wird irgendwann steinig und uneben. Es macht keinen Spass dort zu fahren und so beschließen wir wieder mehr durch das Tal zu radeln. Doch die erste Abzweigung endet auf der Wiese, was die Sache auch nicht besser macht. Wir sind froh, den Ort Nuits-St.-Georges zu erreichen und ab dort können wir wieder auf einfachen Landstraßen fahren. Hier finden wir eine schöne Kirche, in die wir gerne noch einen Blick rein werfen möchten. Wir verweilen dort nur kurz, denn so nach und nach trudeln die Gäste für eine Beerdigung ein und da wollen wir wirklich nicht stören. Unsere Strecke führt weiter über Ladoix-Serigny nach Beaune, die Weinhauptstadt des Burgund. Das Städtchen hält, was es verspricht. Es ist geprägt von schönen alten Fachwerkhäusern, einer wunderschönen Basilika und ihrem berühmtesten Bauwerk, dem „Hospices de Beaune“. In letzterem wurden im 15. Jahrhundert arme und kranke Menschen versorgt. Leider reicht uns die Zeit nicht für eine Besichtigung. Dafür besuchen wir die Basilika „Notre Dame“, die unter anderem eine „Tapisserie über das Leben der Jungfrau Maria“ beherbergt. Es ist sehr interessant, die Szenen auf der Stickerei herauszufinden und so verweilen wir doch länger als wir eigentlich dachten.



Der angesagte Regen lässt immer noch auf sich warten. Dafür brennt die Sonne unerbärmlich als wir unsere Etappe auf einem ausgeschilderten Radweg an den Weinhängen entlang fortsetzen. Dabei bekommen wir auch eine kleine Giftdusche von einem unvorsichtigen Weinbauern ab. Das Behandeln der Reben scheint wohl momentan unabdingbar zu sein, denn überall sind die Bauern mit ihren Giftfässern unterwegs. Wir radeln ohne Unterbrechung nach Mersault und gönnen uns dort eine eisgekühlte Apfelschorle. Das tut echt gut. Es sind noch 10km zu unserer nächsten Unterkunft und die ziehen sich ins Unendliche. Als wir endlich in unserem Hotel ankommen, sind schon die ersten dunklen Wolken am Himmel zu erkennen. Gerade als wir es uns im Hotelgarten gemütlich machen wollen, geht es los mit Blitz und Donner. Das Gewitter ist kurz und heftig. So nehmen wir gerne das Angebot unseres deutsch sprechenden Hotelbesitzers an, uns zu seinem etwas außerhalb liegenden Restaurants zu bringen. Diesen Job übernimmt seine Frau, die dort arbeitet. Im Familienbetrieb werden wir nun vom Sohn der Hotel- und Restaurantbesitzer souverän bedient. Wie ja oft in Frankreich, sieht es mit vegetarischem Essen schlecht aus und ich muss mich mit einem Salat begnügen. Franzi und Tine genießen indessen ein schön zubereitetes französisches Menü. Anschließend werden wir von unserem Shuttle-Service wieder ins Hotel gebracht. Dieses liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße und ein Einschlafen ist bei offenem Fenster fast nicht möglich.

19.Teilstrecke am 31. Juli 2012 von Is-sur-Tille nach Vougeot


Der Tag beginnt mit einem regelrechten „Verwöhnfrühstück“ von Monsieur La Combe in seinem wunderschön eingerichteten Frühstücksraum mit Blick auf den Garten. Wir genießen französisches Baguette mit hausgemachten Marmeladen, frische Croissants und andere französische Spezialitäten. Herr La Combe scheint viel Freude daran zu haben seine Gäste zu bedienen und zu unterhalten. Deshalb werden wir heute unseren Morgenimpuls auf später verschieben.

Auch wenn dieses Anwesen viel zu schade ist, um nur kurz zu verweilen, müssen wir unsere Tour fortsetzen. Also packen wir unsere Sachen, verabschieden uns von unserem charmanten Vermieter und schwingen uns auf die Sättel. Wir radeln durch das kleine Dörfchen Gemeaux nach Marsannay-le-Bois. Leider sind die Fahrradwege hier dünn gesät, was bedeutet, dass wir zunächst mal auf einer stark von LKW befahrenen Straße fahren müssen. Da uns die Fahrt entlang des Straßenrandes etwas gefährlich erscheint, biegen wir bei der nächsten Gelegenheit auf einen Feldweg ab. Dieser entpuppt sich jedoch bald als Schotterweg – für mich unbefahrbar und auch Tine steigt irgendwann ab um ihr Rad besser zu schieben. Für Franzi und ihr neues Mountainbike ist es allerdings eine tolle Teststrecke. Sie fährt über Stock und Stein hinweg als ob nichts wäre.

In Marsanny-de-Bois entdecken wir die erste Jakobsmuschel am Wegrand, ein Zeichen, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind.


Ganz spontan entschließen wir uns, einen ersten Taizé-Gesang anzustimmen und es klappt auch ganz gut.

Nun sind wir auch geistig gestärkt und können unsere Fahrt mit neuem Elan weiterführen. Die Strecken geht nun entlang an Getreidefeldern, vorbei an dem Örtchen Norges-la-Ville. Immerhin gibt es hier eine Fahrradspur neben der viel befahrenen D 974. Dennoch wollen wir von dieser Hauptverkehrsstraße wegkommen und so nehmen wir die Abzweigung nach Ahuy einem Vorort von Dijon. Hier hält sich der Verkehr in Grenzen und wir entdecken auch schon bald die Umrisse der Kathedrale des mittelalterlichen Städtchens. Inzwischen sind wir schon wieder hungrig geworden und so suchen wir uns erst mal ein gemütliches Gartenlokal in dem wir eine Kleinigkeit zu Essen bekommen. Wir finden es direkt am romantischen Theater mit schöner Kulisse im Hintergrund.

Danach geht es zur Besichtigung der Kathedrale. Sie wirkt außergewöhnlich hell und freundlich. Die Orgel ist wunderschön. Auf dem Weg zur Krypta bekommen wir an der Kasse einen Pilgerstempel und als Jakobspilger sogar freien Eintritt. Die Krypta ist sehr interessant. Sie wurde 1793 zugeschüttet und erst 1860 wieder ausgegraben. Darin befindet sich der Sarkophag des heiligen Benigius, einer der ersten Märtyrern der Gegend.





18. Teilstrecke am 30. Juli 2012 von Langres nach Is-sur-Tille


Der Anreiseweg zu unserem diesjährigen Ausgangspunkt war nicht so einfach zu bewältigen und so haben wir uns dazu entschlossen mit dem Auto anzureisen. Am frühen Sonntag Nachmittag ging es los in Richtung Langres, leider auch dieses Jahr ohne unsere Uli. Nach ca. 4 Stunden Fahrt haben wir unser Hotel in St. Geosmes erreicht. Es befindet sich in der Nähe von Langres und so bietet es sich an, das kleine Städtchen noch mal zu besuchen und einen gemütlichen Abend mit französischen Galettes und einem Gläschen Rotwein zu verbringen.

Der nächste Tag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück im Hotel und natürlich mit dem ersten Morgenimpuls, den Franzi wieder mal passend für uns ausgesucht hat. Zum Thema Aufbruch gibt sie uns noch eine schöne Karte auf den Weg.

Bevor wir tatsächlich aufbrechen können, müssen noch die Fahrräder ausgeladen werden. Das Auto darf mit freundlicher Genehmigung der Hotelbesitzer kostenlos auf dem Parkplatz stehen bleiben bis zu unserer Rückkehr. So können wir beruhigt unsere Tour beginnen. Ein holländischer Hotelgast schießt noch ein Startfoto von uns und dann kann es endlich los gehen – für mich mit neuem Fahrrad, welches mich hoffentlich sicher und ohne große Anstrengungen ans Ziel bringt.



Das Wetter meint es gut mit uns. Es ist noch angenehm kühl und trotzdem sonnig, also genau richtig. Wir fahren durch ein kleines Wäldchen in Richtung Baissey. Das Dörfchen mit sehr ländlichem Charakter überrascht uns durch seine schöne ursprüngliche Mühle und die alte Kirche in der „Rue du Paradis“. Da muss man einfach anhalten. Über eine Steintreppe wandern wir hoch zur Kirche. 

   

Diese wartet mit einem wunderschönen Marmoraltar auf. Es ist unglaublich, dass ein solches Schmuckstück in einer doch etwas maroden Kirche auf dem Lande zu finden ist.


                                 



Wir verweilen etwas an diesem Ort und fahren dann weiter in Richtung Leuchey. Ab hier geht es langsam bergauf. Die erste kleine Herausforderung für mich und mein neues Fahrrad. Habe ich mich im letzten Jahr noch bei solch langen Anstiegen abgestrampelt, so kann ich jetzt zwar mit langsamem Tempo aber doch ohne große Anstrengung den Berg gemütlich hochfahren. Ich bin stolz meine erste längere Steigung ohne Abstieg bewältigt zu haben.

Wir erreichen am frühen Nachmittag Chalancey mit seiner teilweise noch gut erhaltenen Stadtmauer und beschließen dort eine kleine Pause einzulegen. Man fühlt sich hier irgendwie in eine andere Zeit versetzt als wir das alte Stadttor passieren. Bei der Kirche legen wir diesmal eine längere Pause ein und stärken uns mit etwa Proviant. Viel ist es nicht, was in unseren Satteltaschen zu finden ist, denn eigentlich wollten wir unterwegs für Nachschub sorgen, doch wie so oft war weder ein Supermarche noch eine Boulangerie oder Ähnliches zu finden. Wi e schon in den letzten Jahren hat eine von uns sicherlich ein paar Leckereien, dieses Mal getarnt als „getrockneter Engergiemix“, zur Hand.

Frisch gestärkt geht es weiter. Der vorherige lange Anstieg wird nun durch eine ebenso sanft abfallende lange Abfahrt belohnt. Wir rollen vorbei an wunderschönen Blumenwiesen und herrlichen Sonnenblumenfeldern.



Ein Anblick wie wir ihn in Deutschland kaum noch finden. Franzi hat sogar ein Reh entdeckt. Wir genießen die Landschaft und landen dann schließlich in dem kleinen Städtchen Selongey in der Hoffnung dort eine Kaffeepause einlegen zu können. Doch Fehlanzeige – alles wirkt wie ausgestorben, die meisten Läden sind geschlossen. Auch der nahe gelegene Campingplatz bietet keine Gelegenheit zum kurzen Verweilen und so beschließen wir unseren Weg fortzusetzen. Dieser führt nun entlang der Bahnlinien auf einem leichten Schotterweg. Es ist anstrengend über die Steine zu fahren und da verlässt mich auch zum ersten Mal die Lust. Während Tine und Franzi tapfer weiter fahren, steige ich dann doch ab und schiebe. Wir sind alle froh, als wir den kleinen Vorort von unserem Ziel Is-sur-Tille erreichen. Doch auch hier hat das einzige Café geschlossen. Na, wenigstens der Supermarkt hat geöffnet. Dort bekommen wir ein paar süße Stückchen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Auf den ersehnten Kaffee müssen wir leider verzichten. So erreichen wir bereits um 17:00 Uhr unsere Unterkunft bei Monsieur Lacombe in Is-sur-Tille. Das Haus wirkt von außen nicht besonders anziehend. Doch im Innenhof erwartet uns ein toll renoviertes Anwesen, welches all unsere Erwartungen übertrifft.


Stolz präsentiert uns der Hausherr sein umgebautes Haus. Er ist von Beruf Innenarchitekt und das kann man an allen Ecken und Rundungen erkennen. Wir sind begeistert von unseren geschmackvoll eingerichteten Zimmern mit jeweils eigenem Bad. Monsieur Lacombe lädt uns auf einen Aperitiv ein und erzählt uns bei einem Glas Kir (nach einem Bischof von Dijon benannt) von seinen Ideen und seiner Familie. Für das Abendessen empfiehlt er uns ein Restaurant im Ort und so ziehen wir los um zu schauen wie das Abendleben in Is-sur-Tille aussieht. Das empfohlene Restaurant hat leider auch montags geschlossen und so bleibt uns nichts anderes übrig als den Abend in einer nicht gerade gemütlichen Pizzeria zu verbringen. Doch der Gedanke an unser tolles Zimmer und an eine erholsame Nacht lässt uns darüber hinwegsehen.

17.Teilstrecke am 14. Juli 2011 von Vrécourt nach Langres

Nach einer etwa unruhigen Nacht – die Betten sind nicht gerade gemütlich - wachen wir durch ein leises Plätschern auf. Der Blick aus dem Fenster sagt schon alles. Es ist Regen angesagt. Vielleicht haben wir ja Glück und es hört wieder auf wie letztes Jahr in Dourdal. So gehen wir guten Mutes erstmal zum frühstücken ins Haus unserer Vermieter. Dort sieht es wesentlich gemütlicher aus als in unserer Ferienwohnung. Das Frühstück ist einfach aber lecker. Die Vermieterin muss zur Arbeit und verabschiedet sich schon mal von uns. Leider vergessen wir dabei sie nach einer Flasche Mineralwasser zu fragen. Doch ein Stück Brot für unterwegs wird diesmal eingepackt, denn unsere Essensvorräte gehen langsam zur Neige. Bevor wir unsere 7 Sachen zusammenpacken lauschen wir noch Franzis Morgengedanken und machen uns dann auf den Weg. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen, aber ein Blick in den Himmel genügt um festzustellen, das dies nur vorrübergehend ist. Jedenfalls sind Regenjacke und Satteltaschenüberzug griffbereit. Die ersten Kilometer können wir noch trockenen Fahrrads zurücklegen, doch dann erwischt uns der erste Regenschauer. In der Ferne entdecke ich eine kleine Hütte – ob die wohl zum Unterstehen taugt? Ich gebe alles mit meinem Fahrrad obwohl es gerade bergauf geht. Doch die Hütte entpuppt sich als Pferdestall und ist von einem unüberwindbaren Zaun umgeben. Also geht es weiter mit den üblichen Berg und Tal Fahrten. In einer kleinen Ortschaft entdecken wir eine kleine Halle. Hier kann ich mal wieder meine Hose ausziehen und in Radlerhosen weiterfahren. Der Regen lässt nach und wir nähern uns dem Städtchen Montigny. Wie der Name schon sagt, liegt das Zentrum auf einem Berg. Wir fragen eine nette Dame wo man hier vielleicht was zu Trinken kaufen kann, denn auf das Wasser aus der Leitung des Pferdehofes haben wir um ehrlich zu sein, keinen Appetit. Da sitzt uns doch noch der in Deutschland gerade umgehende Ehec-Erreger im Nacken. Die Frau ist sehr stolz auf ihre Deutschkenntnisse und zeigt nach oben. Es führt also kein Weg vorbei. Wir müssen diesen Berg hoch. Die Steigung sagt uns, dass es besser ist abzusteigen und zu schieben. Oben angekommen entdecken wir auch gleich die kleine Boulangerie. Wir kaufen leckere Baguettes, Eclairs und natürlich Mineralwasser. Neben der Bäckerei gibt es ein Cafe mit dem schönen Namen „Cafe des Amis“. Da es mittlerweile wieder regnet, trinken wir dort einen Kaffee und warten ab wie es mit dem Wetter weiter geht. Doch da ändert sich nicht viel. Es regnet und regnet und regnet. Es ist auch Zeit für den Mittagsimpuls. Franzi zögert noch. Ist hier wirklich der richtige Ort zwischen Stammtischgeplapper an der Theke und Hintergrundgeräuschen der Fernsehberieselung? Doch beten kann man eigentlich überall und so hören wir doch etwa unkonzentriert was uns Psalm 23 zu sagen hat. Da kein Ende des Regenwetters in Sicht ist, beschließen wir eben weiterzuradeln. Wer den Berg hochschiebt darf natürlich auch wieder bergab radeln. Es würde ja sogar Spaß machen, wäre da nicht diese ständige lauwarme Dusche von oben. An der nächsten Straßenkreuzung treffen wir doch tatsächlich nochmal die deutschsprechende Frau in ihrem Auto. Sie ist sichtlich erfreut uns wiederzusehen, zeigt uns gerne die richtige Richtung und wünscht uns noch eine gute Weiterfahrt. Die nächsten 20 km kann ich über Landschaft und Sehenswertes nicht viel schreiben. Ich kann mich nur noch an einen ewig langen Höhenweg erinnern. Tine erzählt später, dass sie dort ein Reh und einen Fuchs gesehen hat. Das ist mir total entgangen. Der Regen kommt von oben und dringt von der Seite in meine Ohren. In meinen Schuhen steht mittlerweile zentimeterhoch das Wasser. Franzi und Tine sind weit vorraus und mein Frust wächst mit jedem Kilometer. Wie war das noch mit den kleinen Sünden? Ich dachte, die hätte ich doch gestern schon alle abgestrampelt. Endlich kommt mal wieder eine Ortschaft in Sicht. Eine Pause machen oder sich unterstellen hilft jetzt nicht mehr. Wir wollen nur noch baldmöglichst am Ziel ankommen. Nur Tine muss die Batterie unseres besten Freundes Garmin wechseln. Denn ohne ihn sind wir hier total orientierungslos. Es sind nur noch ca. 13 km nach Langres, allerdings über die normale Straße. Zum Glück lässt der Regen jetzt etwas nach. So radeln wir unsere letzten Kilometer der heutigen Tagesetappe völlig durchnässt und etwas lustlos in Richtung Langres. Wir kommen an dem See vorbei, bei dem wir eigentlich nochmal eine Pause einlegen wollten. Gestern haben wir sogar noch von einer kleinen Badepause dort gesprochen. Dazu hat jetzt keine mehr Lust. Wir freuen uns als das Städtchen Langres endlich in Sicht kommt.

Und wie das eben mit so alten Festungen ist, liegt die Stadt auf dem Berg. Denn so hatte man früher alles im Blick und konnte die sich nähernden Feinde rechtzeitig erkennen. Auch wenn wir keine Feinde sind, müssen wir wohl oder übel da hoch. Das Ziel liegt vor unseren Augen, aber wir müssen es erst noch erarbeiten. Ich habe keine Lust mehr und steige schon nach einem kurzen Anstieg vom Fahrrad. Tine und Franzi wären gerne bereit mir eine Mitfahrgelegenheit an der Tankstelle zu organisieren. Doch das ist natürlich nicht meine Art. Auch wenn ich fix und fertig bin will ich das Ziel aus eigener Kraft erreichen. Bin ich die Jahre zuvor oft mit blasengeplagten Füßen gelaufen, bin ich jetzt einfach psychisch am Ende. Das letzte Stück ist steil und der Gedanke, das am nächsten Tag wieder runterfahren zu müssen beruhigt mich auch nicht gerade. Denn eine steile Bergabfahrt mit Kurven und sogar einer Ampel ist auch nicht mein Ding. Endlich erreichen wir die Stadtmauer.

Das Städtchen ist schön und trotz Müdigkeit freuen wir uns schon darauf es in trockenem Zustand zu besichtigen. Tine fragt im Office de Tourisme nach unserem Hotel. Es ist zum Glück nicht so weit. Nur noch wenige Meter bis zu einem schönen gemütlichen Hotelzimmer und einer warmen Dusche. Tine, die auf Grund ihrer besseren Regenausrüstung noch relativ trocken ist regelt das Einchecken im Hotel. Für unsere Fahrräder gibt es sogar einen Kellerraum, so dass sie nicht im Freien stehen müssen. Das Hotel wirkt sauber und gemütlich. Heute bin ich die erste, die die Dusche in Beschlag nimmt. Ich kann es kaum erwarten meine klatschnassen Klamotten auszuziehen und das warme Wasser zu genießen. Doch das war ein Trugschluss. Das Wasser ist und bleibt kalt. Nur Franzi kommt in den Genuss einer warmen Dusche. Aber Hauptsache wir stecken nun alle wieder in trockener Kleidung und können nun das schöne mittelalterliche Städtchen anschauen. Die alte Kathedrale hat nur bis 19:00 Uhr geöffnet. So bleibt uns nur eine halbe Stunde für eine Besichtigung. Leider vergessen wir dabei, uns dort einen Pilgerstempel abzuholen.

Auch die Altstadt ist sehr sehenswert. Im Gegensatz zu Toul sind die Häuser hier gepflegt. Auch gibt es einige Restaurants und kleine Lädchen, die leider schon geschlossen haben. Wir finden eine schöne Pizzeria bei der wir uns erholen und stärken können. Bevor wir in unser Hotelzimmer gehen, erkundigen wir uns noch, ob es auch eine andere Abfahrt in Richtung Bahnhof gibt. Zum Glück können wir von unserem Hotel aus eine breite Straße, die nicht so steil ist, runterfahren, was mich sehr beruhigt. Hier endet unsere diesjährige Tour. Morgen heißt es nur noch heimfahren mit 4 mal Umsteigen bis wir am späten Nachmittag wieder in Karlsruhe ankommen. Insgesamt sind wir in den letzten 4 Tagen etwas mehr als 200 km gefahren. Auch wenn, zumindest bei mir, nicht so richtig ein Pilgerfeeling aufkam, ist es doch ein gutes Gefühl, Santiago de Compostela wieder ein Stück näher gekommen zu sein.

16. Teilstrecke am 14. Juli 2011 von Bulligny nach Vrécourt

Der Tag heute beginnt mit einem gemütlichen Frühstück, welches von Madame Crochet schon liebevoll vorbereitet wurde. Es gibt leckere selbstgemachte Marmelade, Croissants und natürlich frisches Baguette. Nachdem wir uns von unserer netten Gastgeberin verabschiedet haben, steigen wir wieder auf unsere Drahesel und pilgern bei strahlendem Sonnenschein weiter. Wie schon voraussehbar geht es weiterhin im Wechsel begab und bergauf durch das ländliche Lothringen. Wir fahren haupsächlich auf kleinen Landstraßen. Die Gegend wirkt wie ausgestorben. Es sind kaum Menschen unterwegs, nur selten fährt ein Auto an uns vorbei. Während ich so vor mich hin strample frage ich mich wo die Menschen hier arbeiten und wovon sie leben. Wir radeln vorbei an mit Mohn gespickten Kornfeldern, bunten Wiesen und kleinen Ortschaften.



Eigentlich wollten wir uns unterwegs noch etwas Proviant einkaufen. Doch das ist Fehlanzeige, denn in den meisten Ortschaften gibt es keine Lebensmittelläden. Als der Hunger uns dann doch plagt machen wir Mittagspause in einem kleinen Ort. Leider befinden sich in meinem Rucksack nur noch ein paar Balistos und 2 Äpfel. Also mache ich mich auf die Suche nach einer Boulangerie. Doch auch hier ist keine zu finden und so besteht mein Mittagessen aus einem Balisto und ein paar Keksen, die ich auch noch in meinen Vorräten finde. Die Vitamine des Apfels sind ja auch kein Schaden und abnehmen will ich ja sowieso. Wir verbringen eine Weile am Dorfbrunnen. Hier können wir auch endlich unsere vielen Wörter rauslassen, die sich während des Radelns so angesammelt haben und Franziska gibt uns noch den Text eines Psalmes mit auf den Weg.
Wir setzten unsere Tour fort, die nach wenigen Kilometern in ein Waldstück führt. Hier wird es ungemütlich. Der Weg ist nicht gerade das was ich als gut befahrbar bezeichnen würde und ich steige etwas frustriert ab. Auch Tine und Franzi begleiten mich nun aus Solidarität zu Fuß, denn dass ich nicht so viel Spaß am Fahrrad fahren habe, haben die beiden längst zu spüren bekommen. Wir sind alle froh, als wir den Wald verlassen können und die Wege wieder besser werden, na ja sagen wir, sie sind wieder asphaltiert, denn es geht weiterhin bergauf und bergab. Wir sind inzwischen mehr als die Hälfte der Tagesstrecke gefahren. Wenn ich ehrlich bin, würde es mir für heute reichen. Mir fallen alle meine Sünden ein und ich komme zu dem Entschluß, dass ich nun genug davon abgestrampelt habe. So ein paar kleine „Ausrutscher“ können doch nicht solche gravierende Folgen haben. Zeitweise versuche ich mich auch einfach auf die schöne Landschaft einzulassen und die Bilder, die an mir vorbei ziehen als Meditation zu sehen. Aber wenn der Magen leer ist und die Muskelkraft nachlässt, hilft das alles nichts. Nach einer etwas steilen Abfahrt kommen wir endlich mal wieder in eine Ortschaft. Schon am Ortseingang gibt es einen Hinweis auf ein Restaurant. Ob wir da wohl einen Kaffee kriegen??? Es gibt auch einen kleinen Lebensmittelladen, der aber leider geschlossen hat. Daneben liegt eine kleine Kneipe, bei der Tine mal vorsichtig anklopft. Zu unserer Überraschung öffnet tatsächlich eine etwas mürrische Dame, die sich wohl in ihrer Mittagsruhe gestört fühlt. Doch sie ist bereit uns einen Kaffee zu bringen, den wir dann an einem leicht schmuddeligen Tisch im Freien genießen. Das Restaurant entdecken wir erst auf der Weiterfahrt. Tja, da waren wir wohl etwas voreilig und für eine weitere Pause ist keine Zeit mehr, denn schließlich wollen wir ja heute noch an unserem Ziel in Vrecourt ankommen. Die anschließende Strecke ist wunderschön und führt durch eine tolle Landschaft mit herrlicher Weitsicht. Sowas entschädigt dann doch für die Strapazen des Tages. Um ca. 18:00 Uhr kommen wir endlich auf unserem Pferdehof in Vrecourt an. Der Hausherr empfängt uns und zeigt uns unsere kleine Ferienwohnung. Sie ist nicht gerade komfortabel und die Dusche ist etwas gewöhnungsbedürftig, besonders als wir feststellen, dass das Wasser nicht ablaufen will. Dafür werden wir wieder mal von der Hausherrin mit französischen Köstlichkeiten und unserem Lieblingsaperitif – Crapefruitsirup in Wein – verwöhnt.

Dazu als Vorspeise ein paar Knabbereien. Doch leider sind wir nicht die Einzigen, die sowas mögen. Garade als wir uns über die Hauptspeise in Form von Fleisch, Kartoffeln, Tomatensalat und Quark hermachen wollen, gesellt sich ein Huhn zu uns auf den Tisch und knabbert in aller Ruhe unsere letzten Erdnüsse leer. Natürlich bin ich sofort mit dem Fotoapparat zur Stelle. Danach muss das Huhn seinen Platz am Esstisch verlassen.

Auch die beiden Bordercollies, die den Hof beaufsichtigen helfen uns auf Kommando ihres Herrchens den lästigen „Mitesser“ zu vertreiben. Nach einem leckeren Eis mit Kirschen als Nachtisch lassen wir den Abend ausklingen mit einer Flasche Wein, netten Plaudereien und nicht zu vergessen Franziskas „Gute-Nacht-Geschichte“ in Form einer Lebensweisheit.

15.Teilstrecke am 13. Juli 2011 von Pont-à-Mousson nach Bulligny

Unser Tag beginnt mit einem herrlichen Frühstück im „Refektorium“, dem Speisesaal des Klosters welches überhaupt nicht an eine spärliche Mönchsmahlzeit erinnert. Das Ambiente ist toll und wir könnten hier noch stundenlang sitzten bleiben, zumal draußen schon die ersten Regenwolken aufgezogen sind. Bevor wir zu unserer 2. Etappe starten, werfen wir noch einen Blick in die Kirche St. Martin in der Nähe des Klosters, die äußerlich sehr an Notre Dame in Paris erinnert. Wir lassen das Innern der Kirche auf uns wirken bevor Franzi uns mit einem Morgenlob auf den Tag vorbereitet. Ca. 60 km Wegstrecke liegen vor uns und mittlerweile hat ein leichter Nieselregen eingesetzt. Zeit, sich endlich aufs Fahrrad zu schwingen und loszufahren. Schon am Ortsausgang bekommen wir den ersten Regenschauer ab und stehen erstmal eine Weile unter dem Dach eines Fabrikgeländes. Sogar in unserem Pilgerführer wird erwähnt dass hier die meisten Kanaldeckel Frankreichs hergestellt werden mit der Aufschrift “PAM“, welche uns auf unserer Reiseroute noch mehrmals begegnen werden. Während wir in Regenkleidung und schon leicht nass unter dem Dach stehen, geraten wir natürlich auch ins Visier der meist männlichen Arbeiter, die es sich nicht verkneifen können ein paar Kommentare abzugeben. Manchmal ist es auch ein Segen kein Französisch zu sprechen, bzw. zu verstehen.

Da der Regen nicht wesentlich nachlässt, entschließen wir uns doch zur Weiterfahrt. Wir verlassen das schöne Moseltal und radeln ins Hinterland, welches etwas hügeliger ist. In einem kleinen Ort stellen wir uns nochmal in einer kleinen Kapelle unter und legen eine kleine Pause ein. Meine Hose ist mittlerweile total nass und ich fahre nun in meiner eigens für die Tour erstandenen Radlerunterwäsche weiter. Die Regenjacke hält bisher noch dicht und auch meine Satteltaschen sind durch ein Regenverdeck geschützt. Spaß macht es bei diesem Wetter allerdings nicht und Pilgergefühle kommen auch keine auf. Doch das hilft uns nicht weiter. So radeln wir weiter durch einsame Ortschaften bis wir irgendwann wieder an der Mosel sind, die sich hier von ihrer schönsten Seite zeigt. Die Strecke ist sehr romantisch und ich genieße den Anblick sehr.

Es hat jetzt aufgehört zu regnen und so langsam stellt sich nun ein Hungergefühl ein. Franzi und Tine, die stets ein gutes Stück vor mir herradeln, haben schon ein kleines Restaurant entdeckt und beschlossen hier eine kurze Pause einzulegen. Die Beiden haben nämlich schon gesehen, was ich noch nicht ahnen kann: Von nun ab geht’s bergauf und das ordentlich. Der Kellner begrüßt uns sehr freunlich. Er spricht sogar englisch und hat auch ein paar deutsche Brocken auf Lager. Ich freue mich sehr, denn nun kann ich mein Essen ohne die Hilfe unserer Dolmetscherin Tine bestellen. Der Kellner bietet mir ein vegetarisches Sandwich an, welches meine Erwartungen total übertrifft und ich genieße es, endlich etwas magenfüllendes auf dem Teller zu haben. Auch die Apfeltarte schmeckt lecker und so können wir mit neuem Elan starten um als erstes mal den Hügel hochzufahren. Wir nähern uns dem kleinen Städtchen Saizerais, welches sehr schön eingebettet in der Hügellandschaft Lothringens liegt. Zum Anhalten ist jedoch keine Zeit und so geht es wieder bergab Richtung Moseltal um uns der Stadt Toul zu nähern. Der Radweg ist sehr schön. Kurz vor Toul begegnen uns 2 Radfahrer mit der begehrten Jakobsmuschel am Fahrrad. Ob sie wohl schon auf der Rückreise sind? Wären wir zu Fuß unterwegs hätten wir natürlich gefragt, aber so fährt man einfach aneinander vorbei – ein Nachteil des Radpilgerns.

Wieder nieselt es leicht und so sind wir froh, dass wir in Toul zuerst mal die Kathedrale im Trockenen besichtigen können. Sie ist sehr schön und bietet sich an für unseren Mittagsimpuls für den wir noch nicht den richtigen Ort gefunden hatten.

Im Office de Tourisme bekommen wir unseren Pilgerstempel und einen kleinen Stadtplan für einen angeblich halbstündigen Stadtrundgang. Die Altstadt mit ihren alten ziemlich runtergekommenen Häusern schockiert uns etwas und so kürzen wir den Rundgang ab um weiterzuradeln bevor uns der nächste Regenschauer einholt. Die Dame im Touristenbüro hat Tine bereitwillig den Weg erklärt wie wir aus dem kleinen Städtchen wieder herauskommen, denn heute will der kleine „Garmin“ nicht mit uns zusammenarbeiten. Nun verlassen wir das Moseltal endgültig und es geht weiter bergauf und bergab durch die lothringische Hügellandschaft. Die Strecke zieht sich und wird anstrengend. Gerade ich als Rheinebene-Bewohner bin solche, wenn auch manchmal nur kleine, Steigungen nicht gewohnt und Kondition habe ich als „Sportmuffel“ natürlich auch nicht. Das macht sich jetzt gravierend bemerkbar und ich bin heilfroh als wir endlich Bullignyerreichen. Dort erwartet uns schon Madame und Monsieur Crochet. Unser Zimmer ist urgemütlich und wohl neu renoviert. Nach einer erfrischenden Dusche begeben wir uns auf die hauseigene Terasse und werden dort schon mit einer Flasche hauseigenem Sekt empfangen. Wir sind nicht die einzigen Bewohner hier. So gesellen sich auch 2 nette Herren zu uns, die in der Nähe arbeiten und immer mal wieder hier wohnen. Familie Crochet, hat schon ein 3-Gänge-Menü für uns vorbereitet und so genießen wir den Abend beim gemütlichen Essen und dem ein oder anderen Gläschen Weines aus den umliegenden Weinbergen. Die Unterhaltung in französich-englischem Mischmasch ist etwas anstrengend aber auch lustig und interessant. Hier sind Jakobspilger eher eine Seltenheit und so bekommen wir viel Lob und Anerkennung für unser Vorhaben.


Wieder im Zimmer angekommen, erwartet uns ein tierischer Überaschungsgast. Die kleine Hauskatze hat es sich auf Tines Bett gemütlich gemacht. Schnell mache ich ein Foto bevor das Tierchen unser Zimmer wieder verlassen muss. Nach dem traditionellen Abendimpuls geht’s dann endlich in die wohlverdiente Nachtruhe.

14. Teilstrecke am 13. Juli 2011 von Metz nach Pont-à-Mousson

Zu unserer 6. Tour des Jakobsweges treffen wir uns am Pfingstmontag schon um 7:00 Uhr am Karlsruher Hauptbahnhof um diesmal mit dem Fahrrad ins Abenteuer zu starten. Leider nur zu dritt, da uns unsere Uli dieses Jahr nicht begleiten kann. Die Anreise wird immer komplizierter und so kommen wir nach 2-maligem Umsteigen in Appenweier und einem Abstecher in Straßburg um die Mittagszeit in Metz an. Die Stadt ist uns ja noch vom letzten Jahr vertraut und was liegt da näher als sich erstmal in einem gemütlichen französischem Café für die erste Etappe zu stärken. Anschließend machen wir uns auf den Weg zur Kathedrale um uns noch den im letzten Jahr vergessenen Pilgerstempel abzuholen. Hier soll unsere Pilgerreise 2011 endlich beginnen. Franzi ist bestens darauf vorbereitet uns ein paar spirituelle Worte mit auf den Weg zu geben. Nicht nur sie präsentiert uns ihre „Spirituelle Wegbegleitung“ als Excel-Tabelle mit Jakobsmuschel, auch Tine leitet uns dieses Jahr nicht nur mit Kartenmaterial sondern auch mit ihrem „Freund Garmin“ der schon sämtliche GPS-Daten eingespeichert hat. Wieder mal fragen wir uns, wie die Pilger des Mittelalters den Weg nach Santiago de Compostela überhaupt gefunden haben.

Körperlich und geistig gestärkt schwingen wir uns bei sonnigem aber nicht zu heißem Wetter auf unsere „Drahtesel“ und radeln an der schönen Mosel entlang in Richtung Pont-à-Mousson, welches unser heutiges Ziel ist. Die Strecke ist sehr schön und abwechslungsreich. Mal geht es durch kleine Waldwege, mal durch schöne Wiesenlandschaften, wo uns doch tatsächlich eine Rehmama mit ihrem Kitz über den Weg läuft. Sogar einen hier nur noch selten vorkommenden Jakobswegwegweiser entdecken wir am Wegrand - ein gutes Zeichen. Nach einem relativ gut befahrbaren Schotterweg nähern wir uns unserem Tagesziel, der Abbaye des Premontres die man schon aus der Ferne gut erkennen kann. Auf den letzten Kilometern führt uns ein schöner Uferweg auf das alte Kloster zu in dem wir heute übernachten werden.

 

Wir erreichen Pont-à-Mousson um ca. 18:00 Uhr und besichtigen zuerst die Kirche im Ort, bei der uns Franzi mit einem Psalm auf das heutige Ziel und den Tagesausklang einstimmt. Danach geht es endlich zu unserer Unterkunft in der ehemaligen Prämonstratenserabtei aus dem 18. Jahrhundert, die heute als Tagungshaus und Pilgerunterkunft dient. Unser 3-Bett-Zimmer ist sehr gemütlich eingerichtet und erinnert eher an ein Hotelzimmer als an eine Zelle, was uns in diesem Moment auch ganz recht ist. Nach einer erfrischenden Dusche wollen wir noch das kleine Städchen erkunden und vor allen Dingen ein nettes Restaurant finden, welches auch für mich ein vegetarisches Gericht anzubieten hat. So landen wir in einer netten „Galetterie“ im Herzen von Pont-à-Mousson. Nicht nur das Essen und der Aperitif schmecken lecker. Auch der junge Kellner ist total nett und bekommt von uns ein großzügiges Trinkgeld, was ihn total überrascht und auch sichtlich erfreut. Zum Abschluß eines gelungenen Tages werfen wir noch einen Blick in die Kirche St. Marie, die zum Kloster gehört. Sie ist eigentlich nur noch eine leere Hülle, die für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. Lange ist es her, seit die Abtei die letzten Mönche gesehen hat. So lassen wir den Tag mit ein paar Lebensweisheiten aus Franziskas Repertoire ausklingen und schlafen müde und zufrieden ein.


4. August 2010 Besichtigung Metz

Nach einer erholsamen Nacht im Hotelzimmer steht heute nur noch die Besichtigung der Stadt Metz auf dem Plan. Im Gegensatz zu den vorigen Tagen ist das Hotelfrühstück sehr einfach. Haben uns Madame Mueller und Madame Weber doch zu sehr verwöhnt?

Der Herr an der Rezeption ist eigentlich auch ganz nett und lässt uns unsere bereits gepackten Rucksäcke in der Halle abstellen, so dass wir ohne Gepäck die Stadt Metz erkunden können.

Als Jakobspilger führt uns der Weg natürlich zuerst zur Kathedrale. Groß und mächtig steht sie da und es ist schon irgendwie ein feierlicher Moment, das gotische Bauwerk zu betreten - ein kleiner Vorgeschmack auf Santiago de Compostella.

Die Kathedrale St. Etienne wurde zwischen 1220 und 1520 gebaut und gehört zu den größten und schönsten Kirchen Frankreichs. Sehr beeindruckend sind die schönen bunten Fenster, die von verschiedenen Künstlern entworfen wurden, darunter auch Marc Chagall. Nicht umsonst wird die Kirche auch „La lanterne du Bon Dieu“ genannt, „Die Laterne Gottes“. Interessant ist auch die sogenannte „Schwalbennestorgel“, eine Hängeorgel, die tatsächlich an ein Schwalbennest erinnert.

Auch wenn man in diesem Gotteshaus sehr lange verweilen kann, zieht es uns dann doch weiter. Auf dem Marktplatz ist heute Wochenmarkt und wir beschließen uns für 1 Stunde zu trennen. Ich schlendere über den Markt, kaufe ein paar Mirabellen um meinen Lieben zu Hause einen Kuchen zu backen und laufe dann zur Mosel. Hier zeigt sich Metz von seiner schönsten Seite. Die Häuser am Ufer des Flusses sind hübsch anzusehen, ebenso wie die romantischen Brücken. Es sieht alles sehr gepflegt aus.

Auch die Altstadt hat ihren Reiz. Viele schöne Geschäfte laden zum Einkaufen und Stöbern ein. Wieder fällt mir der Spruch von „Leben wie Gott in Frankreich ein“, besonders wenn ich an den Schaufenstern der Boulangerien und Patisserien vorbeigehe. Na ja, so ein paar „Eclairs“ müssen es dann doch sein.

Auch meine Mitwanderinnen haben sich von den französischen Köstlichkeiten verführen lassen und so laufen wir unsere letzte Etappe für dieses Jahr zum historischen Bahnhof von Metz um den Heimweg anzutreten.

In Forbach wartet schon Martin auf uns, der uns wieder heil nach Karlsruhe zurückbringt.

13. Teilstrecke am 13. August 2010 von Courselles-Chaussy nach Metz


Wie versprochen beginnt der Morgen mit köstlichem Brioche-Duft aus der Küche. So fängt der Tag gut an und wir freuen uns sehr auf das Frühstück. Madame Weber erwartet uns schon und verwöhnt uns neben dem frisch gebackenen Brioche auch noch mit selbstgemachtem Joghurt und frischem Obstsalat. Langsam gesellen sich auch noch Gäste aus den Niederlanden und aus Spanien zu uns – ein internationaler Treffpunkt sozusagen. Alle wollen das neue Centre Pompidou in Metz besuchen. Madame Weber war so nett und hat uns bereits ein Hotel in Metz gebucht. Ich habe noch selten solch eine „Mit Leib und Seele-Gastgeberin“ erlebt. Es ist sehr schade, dass sie ihre so schön hergerichtete alte Mühle wegen der Krankheit ihres Mannes verkaufen muss. Wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft bevor wir uns sehr herzlich verabschieden. Die Tochter des Hauses ist gerade zu Besuch und fährt uns freundlicherweise nach Ponge. Von dort wollen wir unseren Weg fortsetzen.

Wir starten am Schloss in Richtung Metz. Es geht hauptsächlich an der Straße entlang und durch die kleinen Dörfer. Leider gibt es keine Möglichkeit noch etwas zu Essen zu bekommen. So gönnen wir uns in einem kleinen Pub am Wegrand zumindest einen Kaffee und schauen was unsere Rucksäcke noch an Leckereien anzubieten haben. Nach dieser kurzen Pause geht es weiter unserem Ziel entgegen. Das Laufen an der Straße ist nicht gerade angenehm und so freuen wir uns sehr, als wir das Ortsschild von Metz entdecken.

Jetzt geht es nur noch durch einen großen Park und Grünflächen bis zum Zentrum und zum Bahnhof. Doch die Strecke zieht sich. Meine Füße tun weh und brennen vom Laufen auf dem Asphalt. Es ist später Nachmittag als wir endlich unser Ziel erreichen – das Hotel „Bristol“ in Bahnhofsnähe. Im Gegensatz zu unseren vorherigen Unterkünften ist hier alles ganz schlicht und einfach eingerichtet. Doch wir wollen ja nur hier übernachten und starten nach einer kleinen Erholungspause zum „Centre Pompidou“ um zu schauen, ob wir schon Karten für den morgigen Tag kaufen können. Zu unserer Überraschung sind dort keine langen Warteschlangen, wie uns alle vorausgesagt haben und wir beschließen, doch gleich durch die Ausstellung zu laufen, die noch 2 Stunden geöffnet hat. Das architektonische Meisterwerk ist nicht nur von Außen interessant, sondern hat auch jede Menge Meisterstücke berühmter und auch weniger bekannter Künstler und Maler zu bieten.

Der Besuch hat sich gelohnt, auch wenn die Füße eher nach Ausruhen schreien. Doch dazu ist nächste Woche Zeit. Wir beschließen, den Abend in der Innenstadt ausklingen zu lassen. Die Altstadt von Metz hat einiges an Restaurants zu bieten und wir entscheiden uns für eine schnucklige Pizzeria. Das Essen ist echt lecker und die Bedienung sehr nett. Mit vollem Magen und zufrieden, mal wieder eine schöne Jakobswegstrecke geschafft zu haben sinken wir in unsere Betten.

12. Teilstrecke am 12. August 2010 von St. Avold -Dourdal - Courselles-Chaussy

Das Frühstück hält tatsächlich was es verspricht und so genießen wir am frühen Morgen schon frisches Baguette, 6 verschiedene selbstgemachte Marmeladen, selbstgebackene Brötchen und einen tollen Nusskuchen. Es fällt schwer das kleine Paradies hier zu verlassen, zumal es vor der Tür gerade kräftig schüttet. Madame Mueller verspricht uns, ein gutes Wort bei Petrus für uns einzulegen, das gehöre mit zum Service und es scheint tatsächlich zu funktionieren. Schon eine Stunde später laufen wir bei strahlendem Sonnenschein unserem nächsten Ziel entgegen.

Wir durchwandern Dourdal und finden am Ortsende ein wunderschönes Plätzchen um auch geistig in den Tag zu starten. Franziska gibt uns ein paar schöne Gedanken aus ihrem Pilgerbuch mit auf den heutigen Weg. Und da es hier schön ruhig ist, wagen wir es auch zu singen. Die Gesänge von Taizé bieten sich da regelrecht an und so klingt schon bald unser „ Laudate omnes gentes“ durch die lothringische Luft. Es entspannt und stimmt uns wunderbar auf unsere heutige Etappe ein. Leider werden wir von ein paar Bauarbeitern gestört, die hier, gerade jetzt und heute mal aufräumen müssen und so ziehen wir dann doch weiter. Wir haben ja auch noch einen weiten Weg vor uns.

Wie von unserem Vermieter schon angekündigt sehen wir bald die Windräder auf dem Hügel. Sie sind unser Orientierungspunkt, denn Jakobsmuscheln als Wegzeichen gibt es hier kaum noch. Das macht das Wandern für uns nicht gerade einfach und wir müssen immer wieder nach dem Weg fragen. Dieser führt zunächst mal vorbei an einem Maisfeld. Es ist eigentlich kein richtiger Pfad sondern mehr ein Urwald aus Maispflanzen und sonstigem Gestrüpp. Endlich wieder auf der Straße angekommen, sind wir zunächst mal total orientierungslos. Denn was da vor uns liegt ist eindeutig eine Autobahn, die es aber auf unserer Karte nicht gibt. Sind wir nun soweit vom Weg abgekommen? Wurde die Autobahn auf der Karte vergessen oder ist sie so neu gebaut, dass sie noch nicht berücksichtigt wurde. Wir kommen auf keinen grünen Zweig und orientieren uns letztendlich an den Straßenschildern die nach Bambiderstroff zeigen. Sagte uns nicht Monseur Mueller was von 3 km nach Bambiderstroff? Haben die Franzosen andere Maße? Für uns sind es gefühlte 6-7 km und wir sind heilfroh als wir endlich das Ortsschild entdecken. Eine kleine Kirche lädt uns zum Verweilen ein. Die Kirchen in Frankreich sind leider immer geschlossen. Doch das Plätzchen davor ist ganz gemütlich und es ist sowieso Zeit für das Mittagessen. Also packen wir unsere Vesper aus und genießen noch die Reste vom Gemüsekuchen und der Thunfischcreme, die uns Madame Mueller eingepackt hat.

Frisch gestärkt geht es dann weiter Richtung Raville. Auch hier stehen wir mal wieder vor der Frage, wie geht der Weg weiter? Ein „Ortskundiger“ schickt uns geradeaus aus dem Ort, worauf wir uns auch verlassen, trotz Franzis und Ulis Einwänden. Sie sind der Meinung, dass der Weg an der Kirche vorbeiführen müsste. Bald schon entdecken wir unsere Jakobsmuschel an einem Laternenmast und fühlen uns jetzt wieder sicher. Also laufen wir drauflos, bis wir irgendwie das Gefühl haben, doch nicht so ganz in die richtige Richtung zu gehen. Müsste Coursell Chaussy nicht viel mehr rechts liegen? Es kommt uns komisch vor und so beschließt unsere Tine einen Bauer zu fragen, der gerade mit seinem Traktor ankommt. Er spricht nur französisch und redet auf die arme Tine in französischem Kauderwelsch ein. Es hört sich nicht gut an und tatsächlich sind wir wohl irgendwie vom Weg abgekommen. Der nette Franzose meint, wir könnten querfeldein über seine Felder laufen, dann würden wir schon ans Ziel kommen. Gesagt getan, wir laufen über gerade abgeerntete Stoppelfelder und frisch gepflügte Äcker. Der Untergrund ist alles andere als eben und somit nicht so einfach zu bewältigen, schon gar nicht mit 10 kg Gepäck auf dem Rücken.

Hier ist meine „Frustgrenze“ erreicht und ich hoffe, dass wir bald wieder normale Wege laufen können. Doch zuerst heißt es, einen Stacheldraht mit Elektrozaun zu überwinden. Tine und ich versuchen es mit Humor zu nehmen und überlegen, wie schnell wir rennen können wenn ein wilder Stier kommt. Zum Glück sind die Kühe auf der Weide mehr oder weniger desinteressiert und schauen nur gemütlich zu, wie wir ihr Revier durchqueren. Wahrscheinlich machen sie sich heute noch über uns lustig und amüsieren sich über die ungeschickten Menschen.

Nun ja, ein bisschen Abenteuer muss auch sein. Wir sind sehr erleichtert als die Straße in Sicht kommt und der kleine Ort, wo wir heute übernachten können. Doch vorher wollen wir noch was essen. Das Dorf ist nicht sehr groß und außer einer Dönerbude gibt es nichts. Nicht gerade ein Festmahl für 4 müde Wanderer und schon gar nicht für Vegetarier. Nach der kurzen Stärkung machen wir uns auf zu unserem letzten kleinen Teilstück, der umgebauten Mühle von Familie Weber. Wir freuen uns auf eine angenehme Dusche und einen gemütlichen Abend. Schließlich schleppt unsere Uli schon seit gestern eine Flasche Cidre mit sich herum, der heute unbedingt getrunken werden muss. Madame Weber öffnet die Tür und ihr überraschter Gesichtsausdruck sagt vieles aus. Nun ja, da sie nicht mehr mit uns gerechnet hat, hat sie unser Zimmer anderweitig vermietet und es tut ihr sehr leid. Sie wird mal schauen, ob sie in der Nähe was Anderes für uns findet. Keine gute Nachricht für 4 Wanderer mit teilweise wunden Füßen. Madame Weber bittet uns erst mal ins Haus, wo uns auch der sichtlich kranke Ehemann und Hofhund „Diesel“ begrüßen. Eigentlich habe sie noch ein Zimmer, welches sie normalerweise nicht mehr vermietet. Es hat 4 Betten und wenn es uns nichts ausmacht und wir uns noch ein bisschen gedulden, damit sie es herrichten kann, können wir dort übernachten. Uns fällt ein Stein vom Herzen und wir sind mit Allem einverstanden. Sie zeigt uns den Garten in dem 4 Liegestühle zum Ausruhen einladen. Wir belegen sie gerne und genießen die Ruhe dieses wunderschön gelegenen Anwesens.

Madame Weber kocht uns Tee zur Entspannung und entschuldigt sich nochmal für ihr Verhalten. Das Wetter sei doch heute morgen so schlecht gewesen und sie hatte gedacht, dass wir vielleicht doch die andere Unterkunft genommen hätten. Na ja, es ist wie es ist und wir sind mit der „Notlösung“ ja ganz zufrieden. Wir lassen den Abend mit einem Glas Cidre ausklingen und haben dann auch die nötige Bettschwere erreicht. Madame Weber hat uns versprochen, dass wir mit köstlichem Brioche-Geruch geweckt werden. Da freuen wir uns doch darauf.

11. Teilstrecke am 11. August 2010 von Morsbach nach St. Avold – Dourdal


Hoch motiviert treffen wir uns dieses Jahr in Karlruhe-Hagsfeld am Bahnhof. Nach einer herzlichen Begrüßung starten wir mit unserem Chauffeur Martin ins lothringische Morsbach. Dort wollen wir unsere Wanderung beim Restaurant „St. Jacques“ fortsetzen. Es ist gar nicht so einfach unsere letzte Station vom vorigen Jahr wiederzufinden. Aber durch das Einsetzten unseres gemeinsamen Erinnerungsvermögens schaffen wir es, genau vor dem schönen Restaurantschild zu landen. Bevor wir die 11. Etappe des Jakobsweges beginnen, gibt es noch ein paar Gedanken aus Franziskas Wegbegleiter „Abenteuer Pilgern“ und dann geht es mit Freude auf 4 erlebnisreiche Tage endlich los.

 

Unser Weg geht zuerst mal bergauf zum Herapel, einer ehemaligen, keltischen Fliehburg an der Völkerstraße vom Rhein in die Champagne. Später stand dort die Kapelle St. Helena, deren Altar man noch gut erkennen kann.

Der Weg nach Cocheren ist stellenweise mit Riesen-Schachtelhalm gesäumt, ein Überbleibsel aus alten Zeiten und damals schon für viele kleine und größere Gebrechen eingesetzt. Leider sind die Informationstafeln nur in französischer Sprache, so dass es nicht so einfach ist, die Fachbegriffe zu übersetzen. In Cocheren ist dann eine kurze Verschnaufpause angesagt, die auch genutzt wird, um mal in die Karte zu schauen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Vor uns hält ein Bäckereiauto, aus dem ein köstlicher Geruch von frischem Baguette und anderen französischen Leckereien heraus strömt. Doch noch sind unsere Rucksäcke mit guten deutschen Brötchen und Ähnlichem gefüllt, so dass wir uns nicht von den Düften verführen lassen, sondern weitergehen in Richtung Betting. Bald schon finden wir ein geeignetes Plätzchen für unsere Mittagspause mit herrlichem Blick über die lothringische Landschaft, sogar bis zur Burg Forbach, die wir bereits im letzten Jahr passiert haben. Wir genießen unsere Mittagspause ausgiebig. Doch irgendwann muss man als Wanderer wieder aufbrechen und so geht es dann weiter Richtung Homburg Haut. Das kleine lothringische Städtchen hat seinen Reiz und die Menschen hier sind unheimlich nett. Dank der Hilfe von zwei netten Damen, gelangen wir schon bald zu der, in unserem Führer als sehenswert gekennzeichneten alten Stiftskirche, St. Etienne in Homburg Haut.

 

Vor der Tür stehen allerdings 5 ältere Herren eines Beerdigungsinstitutes, die uns mit ein paar flotten Sprüchen empfangen. Sie ermuntern uns, trotz gerade stattfindender Trauerfeier, die Kirche zu besichtigen. Also schleichen wir uns in das Gotteshaus und verweilen etwas in den hinteren Bänken um die Trauergemeinde nicht zu stören. Die Kirche aus dem 14. Jhd ist in gothischem Stil gebaut und relativ schlicht. Sie ist das Glanzstück des kleinen französischen Städtchens. Nachdem wir die Kirche wieder verlassen haben, geht es, mit den guten Wünschen der Männer vom Beerdigungsinstitut, weiter durch die schöne, mittelalterliche Straße Richtung St. Avold. Eine ganze Weile laufen wir durch einen Wald, was für unsere Füße eine Wohltat ist. In St. Avold angekommen, bekommen wir doch alle große Gelüste nach einem Kaffee, bevor wir das letzte Stück zu unserer Unterkunft in Angriff nehmen. Es ist nicht so einfach in der gut besuchten Innenstadt einen Sitzplatz im Freien zu bekommen. Genießen die Leute doch gerade jeden einzelnen Sonnenstrahl. Wir ergattern noch einen Platz in einem Straßencafe und freuen uns, endlich mal wieder sitzen zu können und den Füßen etwas Erholung zu gönnen. Ein Cappuccino ist jetzt das Richtige. Doch die Franzosen haben etwas andere Vorstellungen von diesem Getränk. Die Sahnehaube ist doch etwas heftig und die Zuckerstreusel passen da für unseren Geschmack überhaupt nicht rein. Andere Länder – andere Sitten, so ist es nun mal.

Nach dieser Stärkung begeben wir uns auf die letzten 3 Kilometer zu unserer Unterkunft in Dourdal. Tine, die wir als „Französischexpertin“ auserkoren haben, fragt in einer Apotheke nach dem richtigen Weg, denn verlaufen wollen wir uns heute nicht mehr.

Bald erreichen wir die ehemalige Mühle „Aux vieux Moulin“ wo uns das Ehepaar Mueller schon erwartet. Das Anwesen ist wunderschön, eine richtige Oase zum Wohlfühlen, sogar mit Swimming pool.

Damit haben wir nicht gerechnet und nur Franzis hat einen Badeanzug dabei.

Madame Mueller zeigt uns unsere wirklich tollen Zimmer und hat auch schon das Essen vorbereitet. Als Aperitif kredenzt sie uns einen Rosewein mit Grapefruitsirup. Das ist so was von lecker und nach der langen Wanderung total erfrischend.

Danach gibt es eine kalte Suppe, Gemüsetarte und für die Nichtvegetarier Schinken und Thunfischsalat. Ein toller Nachtisch mit Rum getränkt ist die Krönung des Ganzen.


Wir fühlen uns wie Gott in Frankreich.


Das Ehepaar Mueller ist sehr interessiert an unserem Vorhaben, irgendwann mal Santiago de Compostela zu erreichen, und wir unterhalten uns über unsere weitere Reiseroute. Wir erzählen auch, dass wir gerne dieses Jahr in Metz ankommen wollen. Da wir aber nur Zeit bis zum frühen Samstag Nachmittag haben, steht schon bald fest, dass wir das wohl nicht schaffen werden.

Ein Blick auf die Karte und die Ratschläge von unserem Gastgeber ermuntern uns dazu, den Weg etwas abzukürzen und so einen Tag früher in Metz anzukommen. Das hieße allerdings auch, dass wir eine Übernachtung streichen müssen und die zweite um einen Tag vorverlegen. Also darf unsere „Vermietungsbeauftragte“ Tine telefonieren, ob das alles so möglich ist, wie wir uns das vorstellen. Die Übernachtung bei Frau Weber zu verschieben ist wohl kein Problem, doch unser Vermieter von der anderen Unterkunft ist nicht zu erreichen und so entschließt sich Tine, ihm eben auf den Anrufbeantworter zu sprechen. Wenn das nur gut geht...

Müde und mit vollem Magen begeben wir uns auf unsere Zimmer und schlafen auch bald ein. Im Wohnzimmer ist schon der Tisch für den nächsten Tag gedeckt und das sieht sehr vielversprechend aus!


10. Teilstrecke am 29. Mai 2009 von St.Arnual/Saarbrücken nach Morsbach

Der nächste Morgen beginnt mit einem gemütlichen Frühstück. Uli hat bereits leckere Brötchen geholt, während wir noch etwas schlaftrunken sind. Schon allein der Kaffeeduft muntert auf und wir freuen uns auf unsere letzte Etappe für dieses Jahr. Heute wollen wir etwas früher los, da wir ja noch die Stiftskirche besichtigen wollen. Wolfgang Steffen begleitet uns und weiß sehr viel über die Geschichte der Kirche zu berichten, welche 1315 bis ca. 1390 gebaut wurde. Ihr gingen aber verschiedene Vorgängerkirchen voraus, deren Ausgrabungen bis ins römische Reich zurückgehen. Sie diente vom 15. bis 18. Jh als Grabkirche der Grafen von Nassau-Saarbrücken und wurde während der Reformationszeit dann evangelisch. Wir sehen verschiedene Grabdenkmäler unter anderem auch den Schrein der Elisabeth von Lothringen, bekannt als Übersetzerin französischer Ritterromane. Auch die Kirchenfenster sind sehr schön und wurden von einem ungarischen Künstler gestaltet. Zum Abschluss bekommen wir noch ein besonderes Bonbon von unserem Führer in Form eines gregorianischen Gesangs. Die Akustik ist umwerfend, denn seine schöne Stimme klingt in dieser Atmosphäre wie die eines ganzen Chores – für uns sehr beeindruckend. Bevor wir die Kirche verlassen, dürfen wir noch einen Blick auf die „Madonna mit Kind“ aus dem 14. Jh werfen, die in diesem evangelischen Gotteshaus auch noch ein Plätzchen bekommen.

Nach diesem kulturellen Highlight geht es jetzt wieder auf Wanderschaft. Herr Steffen begleitet uns noch ein Stückchen und verabschiedet sich dann mit einem „bon camino“.

Wir verlassen Saarbrücken und steigen schweigend den Spicherer Berg hoch. Unsere tägliche Schweigestunde bewährt sich hier besonders. Denn gerade bei Steigungen ist es einfacher, wenn jede von uns in ihrem eigenen Tempo laufen kann. Oben angekommen ist es schon wieder Zeit für eine kleine Pause. Wir sind jetzt auf französischem Boden – juchhu, wir haben die erste Staatsgrenze passiert!!! Hier oben gibt es mehrere Kriegsdenkmäler, die an die Befreiung Lothringens erinnern sollen. Wir gehen weiter und kommen bald in das kleine Dorf Spicheren. Die Beschilderung ist nicht mehr ganz so vorbildlich wie im Saarland und wir kommen jetzt doch manchmal ins Zweifeln, wie der Weg weitergeht. Wie haben eigentlich die Menschen im Mittelalter immer den richtigen Weg gefunden? Da gab es bestimmt noch keine Jakobswegbeschilderung. Wir sind jedenfalls auf unsere blaue Muschel angewiesen, die hier immer seltener wird. So sind wir heilfroh, als wir die schönen Kreuzkapelle (Chapelle Ste Croix) erreichen.


Wir verweilen sehr lange in dieser einfachen Kapelle und lassen noch mal richtig die Seele baumeln. Anschließend klingeln wir an der dazugehörigen Einsiedelei, um unseren Pilgerstempel zu bekommen. Diese wird von einer älteren Dame bewohnt, die gerade Besuch von einer Nonne hat, welche sehr gut deutsch spricht. Nach einem netten Gespräch geht es weiter nach Forbach. Hier sollte ursprünglich unsere heutige Tour enden. Da wir jedoch noch gar nicht pilgermüde sind, beschließen wir bis nach Morsbach weiterzulaufen. Wir passieren das romantische Burgtor und laufen durch den Schlosspark. Da wir genügend Zeit haben, entscheiden wir uns für die längere, dafür schönere Route nach Morsbach. Zunächst geht es am Waldrand entlang, danach hauptsächlich durch Felder und Wiesen bis zur Straße. Ein Kaffee oder Eis zum Abschluss wäre jetzt nicht schlecht. Wir laufen durch den Ort und halten Ausschau nach einem geeigneten Cafe oder Ähnlichem. Bald schon können wir das einladende Restaurantschild von „Saint Jacques“ erkennen.

Na, wenn das kein Zufall ist. Während wir die Öffnungszeiten noch studieren und etwas enttäuscht feststellen, dass das Restaurant erst um 17:00 Uhr öffnet, kommt uns auch schon ein netter Herr entgegen und fragt, ob wir etwas trinken wollen. Gerne dürfen wir reinkommen, auch wenn er offiziell nicht geöffnet hat. Dieses Angebot schlagen wir natürlich nicht aus. Wir bestellen Kaffee und bekommen sogar eine Apfeltarte mit Vanilleeis und Sahne. Jetzt heißt es, sich langsam wieder auf die Heimkehr und das Familienleben einzustellen. Wir müssen nur noch auf Martin warten, der allerdings im Stau steht. Während dieser Zeit erzählt uns „Jacques“ von seinem Restaurant am Jakobsweg. Er schenkt jeder von uns einen Apfel, den wir Jakobsapfel nennen. Vielleicht will er auch eines Tages nach Santiago di Compostella reisen. Wir wünschen ihm, dass es klappt. Unsere diesjährige Etappe ist nun zu Ende. Martin bringt uns sicher an den Karlsruher Hauptbahnhof , wo wir uns verabschieden. Wir freuen uns alle schon sehr auf das nächste Jahr.

 

9.Teilstrecke am 28. Mai 2009 von Biesingen nach St.Arnual/Saarbrücken

Der Tag beginnt wieder mit einem leckeren Frühstück in unserer Pension. Auch hier fehlt es an Nichts. Unsere Wirtin versucht das Pfarramt zu erreichen, damit wir dort unseren Pilgerstempel abholen können. Da dies aber geschlossen ist, gibt es einen Stempel von „Bellevue“,  auch für unser „Buchsouvenir“ mit dem Titel „ Is mei Hut noch do“. Wir bedanken uns für die nette Bewirtung und ziehen weiter. Wir verlassen Biesingen und folgen unserer Muschel Richtung Seelbach, jetzt wieder schweigend auf der „Römerstraße“, vorbei an mehreren Bauernhöfen bis zum Andreaskreuz. Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem Beenden der Schweigestunde geht es weiter nach Heckendalheim. In der schönen Dorfkirche liegt schon der Stempel für uns bereit. Es gibt für die Strecke Hornbach-Metz einen speziellen Pilgerpass, in dem auch die Orte aufgeführt sind, die Jakobswegstempel haben. So wissen wir immer, wo wir einen Stempel abholen können. Da kann schon so was wie Sammelleidenschaft aufkommen, was uns Frauen ja schon immer gut liegt. Wir durchqueren Heckendalheim und kommen bald auf einen Waldweg. Es ist jetzt Mittagszeit und wir suchen uns ein paar Baumstämme um Pause zu machen. Das tut immer gut.

Gut erholt geht es weiter an einem Reiterhof vorbei bis nach Bischmisheim. In der Dorfmitte steht etwas versteckt die achteckige Schinkelkirche.

Wir klingeln beim Pfarramt, welches direkt nebenan liegt und werden sehr freundlich begrüßt. Gerne wird auf unseren Wunsch hin, die Kirche geöffnet und der Hausmeister gibt uns bereitwillig einen Einblick in die Geschichte der Kirche. Diese wurde 1822-1824 von Karl Friedrich Schinkel, dem berühmten Baumeister des Preußischen Königs entworfen, was den Einwohnern von Bischmisheim zunächst gar nicht gefiel. Erst über hundert Jahre später im Jahre 1987/88 wurde die Kirche renoviert und nach den Vorstellungen Schinkels neugestaltet. Die Kirche wirkt sehr harmonisch mit ihren zarten Gelbtönen und der schönen Empore, aber auch sehr ungewöhnlich.

Wir lassen alles auf uns wirken und verbringen auch noch eine Weile bei einer Sitzecke im Freien, seitlich der Kirche. Hier bietet es sich auch an, mal wieder was aus dem „Wegbegleiter“ zu hören. Die Texte, die sich oft nicht nur auf das Wandern, sondern auch auf allgemeine Lebenswege beziehen, geben immer wieder Anlass, sich mit dem eigenen Leben und seinen Wegen und Zielen auseinander zusetzen.Es ist jetzt Nachmittag und Zeit für eine kleine Kaffeepause. Wir folgen dem Rat des Hausmeisters und finden auch bald das von ihm vorgeschlagene Cafe. Bei Kaffee und Kuchen können wir uns wunderbar erholen, bevor wir uns für die letzte Etappe bis Saarbrücken aufmachen. Da wir mit unseren gut bepackten Rucksäcken doch auffallen, gibt es viele nette Begegnungen am Wegrand oder auch hier im Cafe, wo uns die Musiker, die dort für Unterhaltung sorgen sollen, gute Reisewünsche mit auf den Weg geben. Im Allgemeinen sind die Leute sehr nett und hilfsbereit, nicht selten auch beeindruckt von unserem Vorhaben, irgendwann in Santiago di Compostella ankommen zu wollen.

Unsere Wanderung geht nun wieder durch Wald und Wiesen. Aus der Ferne können wir bald Saarbrücken erkennen. Zuerst erreichen wir den Ort Brebach. Von hier aus haben wir schon einen schönen Blick auf die Stiftskirche St. Arnual. Sie soll unser heutiges Ziel sein und wir freuen uns schon darauf. Das letzte Stück unserer heutigen Etappe geht an der Saar entlang, bevor wir unsere Pilgerunterkunft bei Wolfgang Steffen erreichen. Vorher werfen wir schon mal einen Blick in die gotische Stiftskirche. Am morgigen Tag werden wir mehr erfahren, denn Herr Steffen wird uns eine fachkundige Führung geben. Er ist bei der Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz/Saarland unter anderem für die Ausstellung der Pilgerpässe zuständig und stellt seine Gästezimmer auch gerne den Jakobspilgern zur Verfügung. Im Obergeschoß wohnt Martin, wenn er in Saarbrücken arbeitet. Uli zeigt uns gerne sein gemütliches Reich und lädt uns auf eine Tasse Tee ein. Dazu gibt es leckeren Butterkuchen vom Ehepaar Steffen. Uli kennt sich hier bestens aus und zeigt uns wo es die beste und größte Pizza gibt. Sie ist tatsächlich so groß, dass wir nur zwei Pizzen für uns Vier bestellen, was auch vollkommen ausreicht, um unseren Hunger zu stillen. Wir lassen den Abend in dieser gemütlichen Pizzeria ausklingen, bevor wir müde zu unserer Herberge zurückkehren. Doch bei Tine macht sich plötzlich die Angst vor Einbrechern breit. Schließlich geht das Fenster direkt zur Straße und das Einsteigen wäre überhaupt kein Problem. Also wird jetzt erst mal verbarrikadiert mit Stuhl und Stöcken, damit der vermeintliche Täter sofort gehört und in die Flucht geschlagen werden kann. Ich hoffe nur, dass es Uli beim Brötchen holen nicht erwischt.


8. Teilstrecke am 27. Mai 2009 von Hornbach nach Biesingen

Heute lassen wir es erst mal gemütlich angehen. Die Tochter unserer Vermieterin verwöhnt uns mit einem wirklich tollen Frühstück mit allem was das Herz begehrt. Wir genießen es ausgiebig. Auch einen Pilgerstempel bekommen wir hier und fühlen uns somit auch wie richtige Pilger, momentan eben noch „Luxuspilger“. Franziska liest vor dem Aufbruch noch aus unserem „Wegbegleiter“ vor und stimmt uns so auf die heutige Tour ein.

Der Weg führt uns über die „Platte“ auf einen schönen Wiesenweg in Richtung Mittelbach. Ab jetzt folgen wir der „saarländischen Muschel“,  die sich etwas von der „pfälzischen Muschel“ unterscheidet.

                                                           

Wir beschließen, zunächst mal eine Stunde lang zu schweigen, schließlich haben wir ja beim Frühstück schon genug geredet. So geht nun jede von uns schweigend ihren Weg. Es ist schön, einfach nur die Natur zu genießen und keinerlei Verpflichtungen zu haben – eben nur laufen und irgendwann das Tagesziel erreichen. Nach einer Stunde geben wir unser Schweigen auf und wandern weiter nach Mittelbach. Dort kaufen wir in einer Bäckerei unser Mittagessen. Weiter geht es bergauf an einer Straße entlang bis nach Hengstbach. Der schöne Dorfbrunnen lädt zum Verweilen ein und diese Einladung schlagen wir nicht aus.



Wir haben „alle Zeit der Welt“, schieben uns eine Parkbank an Ort und Stelle, essen, trinken, plaudern und hören zum Abschluss der 2-stündigen Mittagspause etwas Besinnliches aus dem „Wegbegleiter“. In bester Laune und gut erholt geht es weiter, über einen Höhenweg mit herrlichem Blick auf das Saarland, vorbei an Getreidefeldern bis zum Hornbacher Berg. Von hier aus blicken wir bereits auf Blieskastel, welches unser nächstes Ziel ist. Mittlerweile haben wir die schöne Pfalz hinter uns gelassen und befinden uns nun im Saarland. Jetzt geht es bergab nach Blieskastel – die Zivilisation hat uns wieder. Es ist schon ein kleiner Schock, nach soviel schöner Natur und Ruhe, auf einer vielbefahrenen Straße zu landen. Aber die schöne Innenstadt von Blieskastel entschädigt für alles.

 



Bald finden wir ein nettes Eiscafe und lassen es uns gut gehen. Dabei fällt unser Blick ins Schaufenster der gegenüberliegenden Boutique. Ein wunderschönes türkisfarbenes Kleid hat es Franzi angetan und wir ermutigen sie, es doch einfach mal anzuprobieren. Schließlich liegen wir ja gut in der Zeit und so eine kleine saarländische Boutique ist schon was Besonderes. Da fällt doch glatt unserer Tine ein, dass sie ja noch was für eine bevorstehende Hochzeit braucht. Noch ein Grund mehr, mal einen Blick in das schnuckelige Lädchen zu werfen. Im Wanderoutfit und mit Pilgerrucksäcken beladen,  betreten wir den Laden. Die Verkäuferin ist sehr nett und gibt Franziska und Tine die passenden Teile zum Anprobieren. Während das Kleid für Franzi doch nicht so richtig geeignet ist, wollen wir doch wenigstens für Tine etwas Passendes finden und sie so vor einer weiteren lästigen Einkaufstour in Karlsruhe bewahren. Es wird also probiert, beraten, abgesteckt und letztendlich dann das Richtige gekauft. Wer hätte das gedacht, dass man während des Pilgerns auch noch Zeit zum Shoppen hat. Es ist alles möglich und Tine ist sehr stolz auf ihr „Pilgergewand“, wie wir die Festtagskleidung nun nennen. Aber jetzt wird wieder gewandert.

Wir besichtigen die barocke Schlosskirche und gehen dann den Berg hoch zum Kloster der Franziskaner-Minoriten mit der Wallfahrtskapelle „Heilig Kreuz“, in der sich das Gnadenbild der Madonna befindet . Leider treffen wir keinen der Mönche mehr an und bekommen somit an diesem schönen Ort auch keinen der begehrten Pilgerstempel. Nachdem wir die friedliche Stille hier genossen haben, geht es weiter über einen schönen Höhenweg. Bald schon taucht vor uns ein großer Stein auf, der einfach so mitten in der Landschaft steht. Es ist der „Gollenstein“ ein ca. sieben Meter hoher Menhir, der hier schon seit ca. 4000 Jahren steht und vermutlich aus der Jungsteinzeit stammt.


Aus dem Wanderführer erfahren wir, dass er wohl unter anderem im Mittelalter als Markstein auf den Geleitstraßen diente. Anschließend geht es weiter nach Alschbach, einem kleinen Dorf mit schöner Dorfkirche. Ein langer asphaltierter Weg führt uns nach Biesingen. Hier merken wir, dass wir heute doch einige Kilometer zurückgelegt haben und unsere Beine werden etwas schwerer und wir somit langsamer. Der Weg zieht sich und wir sind heilfroh als wir das Ortsschild Biesingen entdecken. Jetzt müssen wir nur noch eine kleine Steigung zu unserer Unterkunft im Restaurant „Bellevue“ überwinden. Dieses liegt wirklich sehr schön am Ortsrand mit herrlicher Aussicht. Die Zimmer wirken sehr gemütlich. Doch bevor wir in unsere Betten kriechen, wollen wir den Abend in dem ebenfalls behaglich eingerichteten Restaurant abschließen. Dabei ergibt sich auch ein sehr nettes Gespräch mit der Wirtin, deren Nachbar den Jakobsweg in Spanien bis nach Santiago di Compostella gelaufen ist. Auch ein Buch hat er geschrieben. Frau Bieg ist kein Weg zu weit und sie besorgt uns doch gleich mal eine Ausgabe des Buches, welches uns nun als „Souvenir“ und meine Bettlektüre begleitet.

7. Teilstrecke am 26. Mai 2009 von Zweibrücken nach Hornbach

Unser diesjähriger Treffpunkt ist der Bahnhof in Zweibrücken. Franzi, Tine und Uli kommen mit dem Zug aus Karlsruhe, ich mit Bus und Bahn aus Speyer.

Voller Elan geht es los in Richtung Hornbach, das für heute unser Ziel sein soll. Noch sind wir auf dem Pfälzer Jakobsweg und entdecken auch bald unsere Muschel am Wegrand. Wir laufen ziemlich lange durch Zweibrücken, zuerst an den Gleisen entlang, kreuzen zweimal die Autobahn und folgen nun für eine Weile der B 424. Unser Zeichen ist neben der Muschel auch der gelbe Balken und das orangenfarbene „W“. Bald erreichen wir Althornbach mit seiner schönen Dorfkirche und legen dort unsere erste Pause ein. Schließlich muss ja der Rucksack leichter werden und der schöne Rosenstrauch lädt irgendwie zum Verweilen ein. Hier bekommen wir auch von Franziska die ersten „Pilgergedanken“ vorgelesen und stellen uns nun auch innerlich auf den Jakobsweg ein.

Nach dieser Erholungspause geht es weiter an einem Bauernhof vorbei durch einen schönen Wiesenpfad am Waldrand entlang. Bald schon erkennen wir aus der Ferne das Klosterstädtchen Hornbach. An der dortigen Tankstelle fragen wir nach dem Weg zu unserer Pilgerunterkunft. Die Frau ist sehr nett und erklärt uns, wie wir am besten dorthin kommen.Vor dem Gästehaus Martina finden wir allerdings nur eine beschriebene Tafel mit dem Hinweis, doch einfach schon mal durch den Hintereingang ins Haus zu gehen und unsere Zimmer anzuschauen. Wir sind sehr überrascht, ob solchen Vertrauens und betreten vorsichtig unsere Unterkunft. Die Zimmer sind sehr harmonisch eingerichtet, kein Wunder, denn wir befinden uns in den Räumen einer Yogalehrerin. So dürfen wir auchzu viert im Yogaraum übernachten und fühlen uns dort auch sehr wohl. Doch es ist noch viel zu früh, um sich zur Ruhe zu begeben und allzu viel gelaufen sind wir ja heute auch noch nicht. Also machen wir uns auf den Weg zum historischen Stadtrundgang. Wir beginnen am „Unteren Klostertor“ und laufen einen gepflasterten Weg zum ehemaligen Kloster, das heute ein Hotel ist, vorbei. Leider ist das „Historama“, welches die Geschichte des Klosters dokumentiert, schon geschlossen. So gehen wir weiter und besichtigen die heute evangelische Pfarrkirche, direkt neben dem Kloster.Sie ist sehr schön eingerichtet und wir verweilen dort ziemlich lange, auch um in Gedanken noch mal unseren Weg zu gehen.

Danach geht es weiter an den Mauerresten der St. Michaels Kapelle und der Stiftskirche St. Fabian vorbei. Durch einen schönen Mauerdurchbruch blicken wir sowohl auf die alte Stadtmauer, als auch auf die Klostermauern. Nun geht es wieder zurück zur Unterkunft und gleich anschließend auf die „Platte“ um den Tag mit einem ländlichen Abendessen ausklingen zu lassen.

Müde sinken wir in unsere Betten, bzw. Matratze und freuen uns auf den nächsten Tag.

6. Teilstrecke am 20. Juli 2008 von Homburg/Saar nach Zweibrücken  

Das Kardinal-Wendel-Haus gehört dem BDKJ Speyer und ist eigentlich ein Schulungs- und Bildungshaus. Es liegt sehr schön am Waldrand und die Nacht dort war, von einem Gewitter mal abgesehen, sehr ruhig. Beim Frühstück treffen wir auf eine Gruppe Behinderter, die uns teilweise ganz persönlich begrüßen. Auch das Personal ist sehr nett und wir genießen das Frühstück sehr. Wir haben uns für unsere heutige Wanderung nur ca. 12km nach Zweibrücken vorgenommen. So können wir den Tag ganz gemütlich angehen. Wir verlassen das Kardinal-Wendel-Haus und wandern zunächst Richtung Kirrberg und Emilienruhe, die unser nächstes Ziel sein soll. Doch das ist gar nicht so einfach, denn wir haben unsere blaue Jakobswegmuschel noch nicht entdeckt. Wir treffen auf eine andere Wandergruppe, die uns da aber auch nicht so richtig weiterhelfen kann. Es ist eine echte Herausforderung für Tine, die wie immer für das Kartenlesen zuständig ist. Schließlich erspähen wir irgendwann das kleine Gasthaus und legen dort ein Plauderstündchen im Biergarten ein. Aber in welche Richtung geht es nun weiter? Wir entdecken an einem Baum die Jakobsmuschel, die zwar ein bisschen anders aussieht, aber Muschel ist Muschel und so laufen wir eine Weile diesen Pfad entlang. Doch bald schon merken wir, dass wir laut Wanderkarte eigentlich nicht ganz richtig laufen. Also geht es noch mal zurück zur Emilienruhe, deren Wirtin uns den richtigen Weg zeigt, der hinter ihrem Garten vorbeiführt und eher wie ein privater Durchgang aussieht. So finden wir auch bald schon unsere vertraute Muschel wieder und wandern gemütlich weiter, zunächst durch den kleinen Ort Kirrberg, dann auf einer Anhöhe weiter über kleine Wirtschafts-, bzw. Fahrradwege. Eigentlich müssten wir jetzt bald am Rinckenhof vorbeikommen. Da es hier mehrere Bauernhöfe gibt, ist es schwierig, rauszufinden welches nun der „Richtige“ ist. Auch auf die Muschel ist kein Verlass mehr, denn es gibt hier nicht nur 2 verschiedene Muschelzeichen, sondern die gehen auch noch in gegensätzliche Richtungen. Das bringt uns wieder mal ganz durcheinander und hier oben auf weiter Flur ist es ganz schwierig sich zu orientieren. Die Leute, die wir fragen kennen zwar meistens den Rinckenhof nicht, aber sie können uns wenigstens sagen in welche Richtung Zweibrücken liegt. Diese schlagen wir dann auch ein und können irgendwann die Stadt aus der Ferne entdecken. So wandern wir jetzt einfach darauf zu, egal ob mit oder ohne Muschel. Die zeigt sich übrigens erst in der Ortsmitte von Zweibrücken wieder, als wir an einem Bach Richtung Bahnhof laufen. Wir kommen so am frühen Nachmittag schon am Auto an und starten nach einer kurzen Pause in Richtung Heimat.

5. Teilstrecke am 18./19.Juli 2008 von Landstuhl nach Homburg/Saar

In diesem Jahr treffen wir uns schon am Freitagnachmittag bei Uli in Karlsruhe, leider ohne unsere Franzi, die sich beim Sport eine Fußverletzung zugezogen hat und somit nicht mitlaufen kann. Zunächst mal fahren wir mit Tines Auto nach Zweibrücken und parken dort am Bahnhof, um mit dem Zug nach Landstuhl zu fahren. Wir übernachten diesmal in dem ehemaligen Schwesternschülerwohnheim der Dominikanerinnen, die so freundlich waren, uns trotz der Schließung des Hauses aufzunehmen. Da Schwester Christella, mit der ich telefoniert hatte, noch im Urlaub ist, werden wir von Schwester Salvatris sehr freundlich begrüßt. Sie hat sichtlich ihren Spaß daran, Gäste zu bewirten und zeigt uns voller Elan unsere Zimmer, die sehr schlicht, aber auch gemütlich sind. Wir fühlen uns jetzt wie richtige Pilger, schließlich haben wir jetzt auch Pilgerpässe, die uns von der St.Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland ausgestellt wurden. Aber erst mal geht es zum Essen in die Stadt, die sehr auf ihre amerikanischen Bewohner ausgerichtet ist, denn hier befindet sich das Militärkrankenhaus der US-Armee. Wir essen Pizza und freuen uns auf den Start unserer Tour am nächsten Tag.

Dieser beginnt mit einem tollen Frühstück, das uns Schwester Salvatris liebevoll zubereitet hat. Sie verwöhnt uns regelrecht mit allem was das Herz begehrt und einem "Raffaello“ auf jedem Teller. Während wir es uns gut gehen lassen, erzählt sie uns nette Geschichten aus dem Konvent und gibt uns einen schönen Reisesegen mit auf den Weg.

Selbstverständlich bekommen wir auch unseren ersten Stempel in den Pilgerpass, worauf wir besonders stolz sind. Doch jetzt müssen wir aufbrechen, denn heute haben wir eine fast 30km lange Strecke vor uns und das Wetter sieht gar nicht so toll aus. Schon nach der ersten Abzweigung beginnt es leicht zu regnen – na das kann ja heute heiter werden.Unser Weg geht zunächst mal durch ein kleines Wäldchen. Der Regen hat aufgehört und wir wandern munter drauflos. Immer wieder entdecken wir das blaue Zeichen der Jakobsmuschel, welches uns zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das erste Ziel ist die Fritz-Claus-Hütte, die leider heute geschlossen hat. Sie liegt sehr schön im Wald und die vielen Bänke drumherum laden uns auf ein Picknick ein. Frisch gestärkt geht es weiter zur Elendsklamm. Wir fragen uns, wo der Name wohl herkommt, denn so richtig elend fühlt man sich hier nicht.

Ganz im Gegenteil, sie ist mit ihren kleinen Holzbrückchen sehr schön angelegt und es macht Spaß im Zickzack durchzulaufen. Wir überlegen nun, ob wir noch einen Abstecher in den Ort Bruchmühlbach machen wollen, entschließen uns dann aber weiterzugehen, da sich über uns schon wieder dunkle Wolken zusammenbrauen. Es wäre gut, wenn wir zumindest die Gustav-Köhler-Hütte erreichen könnten, bevor es hier so richtig losgeht. Dies rät uns auch ein Mann, den wir an seinem Wochenendgrundstück antreffen und nach der kürzesten Strecke zur Hütte fragen. Der Weg ist ziemlich steil und gerade ich komme da ziemlich schnell aus der Puste. Wir sind nicht die einzigen, die bei der schönen Holzhütte Schutz suchen, denn wir treffen dort auf viele Wanderer. Die Wolken haben es sich mittlerweile allerdings anders überlegt und sind schnell an uns vorbeigezogen. So können wir im Freien sitzen und die schöne Aussicht über das unter uns liegende Tal genießen. Dabei denken wir an unsere Franzi, die zu Hause bleiben musste und schicken ihr spontan per Postkarte ein paar Grüße. Auch wenn es hier noch so schön ist, müssen wir weiterziehen. Es ist jetzt nicht mehr weit nach Homburg, aber die letzten Kilometer ziehen sich immer am längsten hin. Wir erreichen bald die Orangerie der Ruine Schloss Karlsberg, deren Ausmaße man sich noch gut vorstellen kann. Jetzt geht es nur noch bergab bis zum Eingang der Schlossberghöhlen. Viele Treppenstufen führen uns hinab in die Stadtmitte. Nach dieser Mammutwanderung sind wir total geschafft und wollen jetzt nur noch in unsere Zimmer im Kardinal Wendel Haus. Da aber bis dahin auch noch 2 km zu laufen sind, beschließen wir zuerst im Ort was zu essen und finden auch ein schönes Restaurant, dessen Wirtin sich ganz nach unseren Wünschen richtet.

4. Teilstrecke am 1.Juli 2007 vom Finsterbrunner Tal nach Landstuhl

Nach einer erholsamen Nacht und gutem Frühstück geht es weiter nach Landstuhl. Unser Wandertempo ist heute etwas langsamer, da sich die Füße doch nicht ganz so schnell erholt haben. Wir laufen eine ganze Weile an Bahnschienen entlang bis wir die Freizeitanlage Gelterswoog erreichen. Hier ist am Sonntagmorgen schon ziemlich viel los. Doch für uns heißt es weiterwandern, am schönen Seerosenteich vorbei wieder in den Wald, wo wir dann an einer Weggabelung eine Picknickpause einlegen. Auch hier gibt es wieder schöne Informationstafeln, die uns zeigen, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind.

Unsere Rucksäcke sind nun wieder etwas leichter und so brechen wir wieder auf. Wir kommen am Forsthaus Steigerhof vorbei und an der Gemeinde Bann. Jetzt ist es nicht mehr weit nach Landstuhl. Aus der Ferne können wir schon die Burg Nanstein erkennen, die sich auf einem Sandsteinfelsen über der Stadt erhebt. Sie wurde um 1150 von Kaiser Friedrich Barbarossa als Verteidigungsanlage gebaut. Die Besichtigung ersparen wir uns, da wir alle viel zu müde sind, um noch die Burg zu erkunden. Aber wir haben von hier aus einen herrlichen Blick auf die alte Sickingerstadt Landstuhl. Nach einer kurzen Verschnaufpause wandern wir bergab zur Stadtmitte und dann direkt zum Bahnhof. Über Kaiserslautern fahren wir zurück nach Lambrecht und zum Auto, das glücklicherweise noch unversehrt auf dem Parkplatz steht. Das Eis in Neustadt hat sich schon bewährt und wir genießen es auch diesmal, bevor wir uns trennen und zu unseren Lieben nach Hause fahren.

3. Teilstrecke am 30.Juni 2007 von Elmstein bis zum Finsterbrunner Tal

Für unsere 2. Etappe treffen wir uns dieses Jahr am Bahnhof in Neustadt. Von dort aus fahren wir zunächst nach Lambrecht und lassen dort mein Auto am Bahnhof stehen, um mit dem Bus nach Elmstein weiterzufahren.

Wir starten an der Dorfkirche, die in der Mitte des kleinen Ortes liegt. Als erstes erreichen wir die Burgruine Elmstein aus dem 12. Jahrhundert. Von hier haben wir einen herrlichen Blick über Elmstein und den Pfälzer Wald. Wir folgen wie im letzten Jahr dem gelben Kreuz, das uns am Speyerbach entlang führt. Natürlich haben wir jetzt eine richtige Wanderkarte dabei, die Tine stets griffbereit in ihrem Rucksack verstaut hat. Die Wege sind sehr schön, das Wetter herrlich und wir kommen sehr gut voran. Unsere erste Zwischenstation ist Johanniskreuz, das 473m über dem Meeresspiegel liegt und in früherer Zeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa kam hier vorbei, wenn er vom Trifels kommend nach Kaiserslautern unterwegs war. An diese Zeiten erinnern heute noch 3 Kreuze, wovon das Älteste, das vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammt, dem Ort seinen Namen gab. Heute ist hier ein beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer, aber auch für die Katholiken aus der Diozöse Speyer die am morgigen Tag ihren Katholikentag hier abhalten. Nachdem wir uns im Restaurant gestärkt haben, würden wir gerne noch die Kapelle besuchen, die aber leider geschlossen ist.


Auf dem Weg nach Trippstadt finden wir am Wegrand die ersten Infotafeln zum Jakobsweg. Na, da kann ja diesmal nichts schief gehen.


Bald erreichen wir den kleinen Weiler Oberhammer und damit auch den Eingang zur Karlstalschlucht. Hier schlängelt sich die Moosalb durch die von großen moosbewachsenen Sandsteinen umsäumte einzigartige Schlucht.

Nachdem wir die wildromantische Natur genossen haben, wandern wir weiter zur Klug’schen Mühle, welche uns doch regelrecht auf ein Tässchen Kaffee einlädt. Gerne würden wir hier noch ein bisschen verweilen, aber es wird Zeit unsere Unterkunft im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal anzusteuern. Die letzten Kilometer sind mühsam, denn der Weg führt mitten durch ein Gebiet, in dem gerade Bäume gefällt wurden. So wird das Wandern mehr zur Kletterpartie und ein Buschmesser wäre jetzt sehr hilfreich.

Aber wir schaffen das und kommen nach einer Stunde müde und mit schweren Füßen am wunderschön gelegenen Naturfreundehaus an.

2. Teilstrecke am 2. Juli 2006 von Neustadt/wstr. nach Elmstein

Die Nacht in der Pension war sehr erholsam und das Frühstück recht gut. So können wir unseren Weg in Richtung Elmstein fortsetzen. Die Strecke heute ist nicht ganz so lange wie am Vortag. Dafür geht es jetzt bergauf und bergab durch den schönen Pfälzer Wald. Die erste Steigung gibt es schon in Neustadt, nämlich zum Herz-Jesu-Kloster. Das Kloster liegt auf einem Berg und wir haben dort noch mal einen schönen Ausblick auf die Stadt. Von nun ab geht es durch den Wald zum Naturfreundehaus. Hier gibt es einige Weggabelungen, die uns etwas irritieren. Wir folgen dem gelben Kreuz, wie es in unserem Wanderführer beschrieben ist. Der Pfälzer Wald präsentiert sich hier in seiner ganzen Schönheit. Auf unserem Weg haben wir immer wieder den Blick auf verschiedene Burgruinen, wie z.B. die Wolfsburg bei Neustadt. Obwohl es unser „schlaues Buch“ nicht vorsieht, landen wir irgendwann doch bei einer schönen Sandsteinburg, vermutlich Burg Erfenstein. Wir sind nun etwas desorientiert und legen hier kurzerhand mal eine Pause ein, um zu überlegen, wie wir auf den Jakobsweg zurückfinden. Das ist nicht so einfach, denn unsere Wanderkarte endete in Lambrecht und kaum ein Wanderer scheint hier den Jakobsweg zu kennen. Wir kommen zu der Erkenntnis, dass bestimmt auch im Mittelalter so mancher Pilger vom Weg abgekommen ist und folgen nun einfach der Beschilderung nach Elmstein. Jetzt geht es hauptsächlich bergab durch einen schmalen steinigen Pfad, der allerdings eine Herausforderung für Mountainbiker zu sein scheint. Wir müssen also ab und zu mal zur Seite springen, um den waghalsigen Sportlern Platz zu machen. So sind wir heilfroh, als wir auf einen breiten Wirtschaftsweg kommen, der uns zum Elmsteiner Sägewerk führt. Über einen schönen Wiesenweg erreichen wir bald den Ortsrand von Elmstein. Ein Kaffee wäre jetzt auch nicht schlecht, doch ob sich hier eine Einkehrmöglichkeit findet? Wir sind alle sehr müde und machen zunächst mal eine Pause, um unsere mitgebrachte Verpflegung zu vertilgen.


Da wir absolut keine Lust haben, hier nach einem Eiscafé oder ähnlichem zu suchen fassen wir den Entschluss, nach Neustadt zurückzufahren, um dort unser Wanderwochenende mit einem Eis abzuschließen. Also begeben wir uns zur Bushaltestelle, um mit dem Bus zum Bahnhof Lambrecht und von dort mit dem Zug zurück nach Neustadt zu fahren. In der dortigen Innenstadt gibt es das ersehnte Eis und wir genießen es sehr, die erste Jakobswegetappe geschafft zu haben. Natürlich soll es im nächsten Jahr weitergehen und zwar mit einer guten Wanderkarte. Auf der Wiese vorm Bahnhof liest uns Franziska noch eine schöne Besinnung vor, so dass wir rundum zufrieden zu unseren Familien zurück fahren können. 

1. Teilstrecke am 1.Juli 2006 von Speyer nach Neustadt/Wstr.

Um 9:30 fahre ich mit meinem Mann Edgar zum Waghäusler Bahnhof, um dort Franzi, Uli und Tine, die aus Karlsruhe kommen, abzuholen. Edgar bringt uns alle nach Speyer, denn dort am Jakobspilger soll es losgehen, natürlich nicht, ohne vorher im wunderschönen romanischen Dom von Speyer kurz einzukehren. Das mächtige Bauwerk, das im Jahre 1061 fertig gestellt wurde und seit 1981 zum Unesco Weltkulturerbe gehört, ist gerade wegen seiner Schlichtheit der ideale Ort um sich auf das Pilgern innerlich einzustimmen.

Unser Wanderweg beginnt am Jakobspilger und führt uns erst mal 

durch die Fußgängerzone von Speyer, die mit dem einstigen Stadttor, dem Altpörtel endet. Es ist gerade Markttag in der Domstadt und die kleinen Stände laden regelrecht zum Bummeln ein. Doch der Weg nach Neustadt ist weit und so lassen wir die schöne Innenstadt mit ihren schnuckeligen Lädchen bald hinter uns. An der imposanten Gedächtniskirche vorbei, laufen wir jetzt Richtung Dudenhofen. Wir folgen stets der Markierung des Fahrradweges R58, die uns irgendwann in den Auwald führt, wo es schön schattig und kühl ist. Es ist mittlerweile Nachmittag geworden und wir denken so langsam an unsere erste Pause. An einer Weggabelung finden wir ein schönes Plätzchen, das uns zum Ausruhen einlädt. Dort sitzen auch schon einige junge Wanderer mit Gitarre und viel Gepäck. Wir erfahren, dass sie zu einer Pfadfindergruppe gehören, die schon einen weiteren Weg zurückgelegt hatte. Es sind auch Kinder dabei, die sehr müde, aber auch stolz aussehen.

Nachdem wir uns nun gestärkt haben, geht es weiter in Richtung Holiday park, den man aus der Ferne bald erkennen und auch hören kann. Immer wieder treffen wir auf kleine Wandergrüppchen, die zu den Pfadfindern gehören. Wir sind sehr beeindruckt vom Durchhaltevermögen der doch recht jungen Leute. Tine haben wir mittlerweile zur Kartenleserin bestimmt, was sie auch ganz toll macht, denn der Jakobsweg ist hier noch nicht ausreichend markiert und so manche Weggabelung bringt uns schon ins Straucheln, wie es jetzt weitergeht. Hier helfen uns auch immer gerne meine Pfälzer Landsleute, die wohl sofort erkennen, dass wir hier nicht ortskundig sind. Ein Glück, dass ich perfekt Pfälzisch sprechen und verstehen kann. Nach ca. 25km haben wir Neustadt fast erreicht und die Gelüste nach Kaffee und Eis sind jetzt sehr groß. Wir erspähen einen Tennisplatz und bekommen dort auch das Gewünschte serviert. Unser heutiges Ziel rückt immer näher, so dass wir jetzt nur noch unsere Unterkunft in der Innenstadt finden müssen. Bei Aldi füllen wir noch mal unseren Getränkevorrat für den morgigen Tag auf und erreichen dann müde und mit brennenden Füßen unsere Pension. Nach einer kurzen Erholungspause genießen wir den Abend in einer von der Vermieterin empfohlenen Pizzeria, was sich auch tatsächlich lohnt. Die Fußgängerzone ist sehr belebt, denn hier herrscht wie überall das Fußballfieber. Und so erfahren wir auch noch ganz nebenbei, wie die heutigen Spiele des Viertelfinales der WM ausgegangen sind.